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Zu Ludwig Schätzl "Wirtschaftsgeographie"

In seinen Lehrbüchern gibt der Autor einen strukturierten und deshalb leicht fassbaren Überblick über dieses Fachgebiet der Geographie.
Moderne Wirtschaftsgeographie handelt vom "wirtschaftlich handelnden Menschen im Raum" und reduziert den Naturraum zum Kostenfaktor. Dieser vom Geodeterminismus abgelöste Ansatz entsteht zwischen dem I. + II. Weltkrieg. Wirtschaftsgeographie erforscht die räumliche Dimension ökonomischer Systeme, und zwar sowohl die räumliche Ordnung als auch die räumliche Organisation und die Entwicklung. Sie findet dazu 3 Arbeitsfelder:

  • 1. Räumliche Struktur = Verteilung der ökonomische Aktivitäten
  • 2. Räumliche Interaktion = Bewegung von Gütern und Dienstleistungen
  • 3. Räumlicher Entwicklungsprozess = (Gesetzmäßige) Veränderungen von 1 + 2.
  • Schätzl untergliedert methodisch in die Bereiche 1. Theorie, 2. Empirie und 3. Politik. Die Theorie kennt zwei Hauptrichtungen: Regionale Entwicklungstheorien und Standorttheorien.

    Standorttheorien

    sind zu untergliedern in Theorien der unternehmerischen Standortwahl und Standortstrukturtheorien.

    Standortwahl

    ist der Versuch, mittels einfacher Informationen eine betriebswirtschaftliche Entscheidung zu treffen, bzw. sie durch Standardisierung zu vereinfachen. Diese simple Rechnung als betriebswirtschaftliche Entscheidung nach standortbedingten Erlösen und standortbedingten Kosten erfordert eine Hierarchie von Standortentscheidungen je nach betrieblichem Input und Output.

    Verschiedene Inputs:
    Rohstoffgewinnung und -beschaffung, Veredelungsbetriebe, Fertigung, Dienstleistung, Arbeitskräfte, Energie, Bodenpreise etc. können als Faktorkosten berechnet werden. Daraus kann der einsatzoptimale Standort berechnet werden.

    Outputs:
    Absatzmengen, Absatzpreise, Absatzgebiet, Absatzzeit und die Verknüpfungen, Verfügbarkeit von absatzorientierten Dienstleistungen (Verkehr usw.) lassen den absatzoptimalen Standort berechnen..

    Diese Berechnungen werden von zusätzlichen Faktoren beeinflusst, den so genannten weichen Standortfaktoren, gehen nicht unmittelbar in die betriebliche Rechnung ein, bestimmen aber die Entwicklungsmöglichkeiten.

    Unter den Bedingungen sich allgemein verschärfender Konkurrenz, wird die Absatzorientierung immer wichtiger. Gleichzeitig versuchen z.B. große Unternehmen einsatzoptimale Standorte zu integrieren. So waren im Jahr 2004 70 % des Außenhandels zwischen den USA und Südkorea Austauschprozesse innerhalb von Konzernen, sogenannte "Intra-Firm-Trades". Das heißt dann Globalisierung. Die oft vernebelten "Weichen Standortfaktoren" werden in der Wirtschaftsgeographie Agglomerationsfaktoren genannt.

    Agglomerationsfaktoren
    lassen sich nur sehr ungenau berechnen. Lokalisationsvorteile, d.h. gleiche Branche an einem Ort führen zu spezialisierten Dienstleistungen und Arbeitskräften. Urbanisationsvorteile d.h. verschiedene Branchen an einem Ort führen zu besseren städtischen Einrichtungen. Je näher am Kunden, desto wichtiger diese Faktoren

    Infrastruktur wird bei der Standortwahl ebenfalls berechnet und bezeichnet die Gesamtheit aller materiellen, institutionellen und personellen Einrichtungen und Gegebenheiten außerhalb des Betriebs die zur Produktion und Distribution nötig oder nützlich sind.
    - materiell: Energie, Wasser, Entsorgungen aller Art, Verkehr, Kommunikation, Bildung, Forschung, Gesundheit, Fürsorge, öffentlich Verwaltung, Wohnungen, Freizeit.
    - institutionell: Rechts-, Finanz-, Zoll- und Steuersystem.
    - personell: quantitatives und qualitatives Arbeitskräftepotential.

    Alfred Weber versuchte dies 1909 alles in seiner Industriestandorttheorie durchzurechnen. Er betrachtete nur die Arbeitskosten, die Transportkosten und die Agglomerationswirkungen und setze alle anderen Faktoren konstant. Da in dieser Rechnung die Transportkosten die zentrale Stellung einnehmen, reduzierte sich seine Forschung auf den "tonnenkilometrischen Minimalpunkt". Weber unterschied zwischen lokalisiertem (Fundorte) Material und Ubiquitäten. Werden dann doch unterschiedliche Arbeitskosten eingeführt, so lässt sich ein Bereich günstiger Standortwahl errechnen und geometrisch darstellen. Die Kritik an diesem Ansatz zielte vor allem auf die eingangs erwähnten restriktiven Annahmen; die harten Standortfaktoren müssen eben individuell ausgerechnet werden, oder doch für bestimmte Industriezweige konkret berechnet sein. Weiterentwickelt wurde dieser Theorieansatz durch das Substitutionsprinzip (Predöhl + Isard). Dabei werden verschiedener Input- und Outputtransportkosten in Recheneinheiten zusammengefasst (alles rein theoretische Modelle ohne konkrete Bedeutung).

    Standortstrukturtheorien

    J.H. v. Thünen, Großbauer und Ökonom wird als der erste Standorttheoretiker gesehen. Er beschäftigte sich zuerst mit dem Verhältnis von Stadt und Land. Dies zu untersuchen, setze er folgende Annahmen: Ein isolierter (Klein)Staat ohne Welthandel mit einer Zentralstadt in homogener Ebene sollte zur Aufdeckung funktionaler Beziehungen das Modell abgeben, von dem dann reale Verhältnisse als Deviationen aufgefasst wurden Die Transportkosten sollten proportional zur Entfernung sein, sie werden also nur noch von Volumen und Verderblichkeit bestimmt.

    Damit ergibt sich für jedes Stück Boden eine Lagerente. Die Lagerente nimmt mit der Entfernung vom Konsumort ab und ergibt sich aus dem Marktpreis für ein bestimmtes Produkt abzüglich der Transportkosten Diese Differentialrente der Lage führt zur einer abnehmenden Intensität der Bodennutzung. Bei verschiedenen Produkten ergeben sich unterschiedliche Rentenlinien und damit eine Staffelung der Produkte in konzentrischen Ringen. Dadurch ergibt sich folgende Staffelung: 1. Gartenbau (Freie Wirtschaft), 2. Forstwirtschaft (wegen der hohen Transportkosten), 3.Fruchtwechselwirtschaft, 4.Koppelwirtschaft, 5. Dreifelderwirtschaft, 6. Viehzucht, 7. Wildnis.

    Alle abweichenden Formen sind nach Thünen Deviationen. Die Grundaussage, dass die Lagerente (Reinerlös minus Transportkosten) zu einer Zonierung der Landnutzung führt, ist noch heute gültig; sie Produktstaffelung wird also bestimmt durch das Verhältnis des Marktpreises zu den Transportkosten und eben nicht durch Bodenbeschaffenheit. Die Bodennutzung ist vom Standpunkt der Beschaffenheit also immer suboptimal. Weiterentwickelt wurde dieser Ansatz vor allem von englischen Geographen, die dieses System dynamisierten und den Einfluss wechselnder Marktpreise auf die Landnutzung simulierten. Das prinzipielle System wird heute auch auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen.

    Walter Christallers Theorie der zentralen Orte versucht eine Hierarchie der räumlichen Verteilung von Wirtschaft und Siedlung aus dem Zusammenwirken (räumlich wirksamer) ökonomischer Bestimmungsfaktoren abzuleiten. Seine Prämissen sind homogene Voraussetzungen bei Bevölkerung, Konsum, Informationsstand usw.. Christaller errechnet aus Herstellungskreis und Transportkosten ein kreisförmiges Absatzgebiet. Diese Kreise verwandeln sich in durch die Aneinanderfügung der Absatzgebiete zu Hexagonen, deren Netz die Grundlage seiner Theorie bildet.

  • - Jedes Gut hat seine eigene Reichweite, die durch die rentable Mindestproduktionsmenge bestimmt wird.
  • - Mit der Anzahl der am Ort Produzierten Güter (samt Dienstleistungen) steigt die Zentralität eines Ortes.
  • - Die Zentralität eines Ortes ist am aufwendigsten Produkt ablesbar.
  • - Ein zentraler Ort erster Ordnung stellt mit seinem Absatzgebiet und den darauf befindlichen kleineren zentralen Orten ein abgeschlossenes Wirtschaftsgebiet dar.
  • Durch Verkehrswege (an denen sich die zentralen Orte aufreihen) und staatliche Infrastruktur wird diese Marktstruktur zur Raumstruktur modifiziert. Später haben Geographen die Kaufkraftunterschiede mit eingerechnet und gezeigt, dass das hierarchisierte System der Zentralität trotzdem erhalten bleibt. Diese Theorie beachtet weder die Agglomerationseffekte (externe Ersparnisse bei der Produktion von Gütern), noch den internationalen Güteraustausch, noch die Mobilität heutiger Industriegesellschaften und kann daher Polarisationseffekte nicht erklären.

    Löschs Theorie der Marktnetze ist der Christallers ähnlich. Auch hier wird eine gleichmäßige Verteilung der Produktionsfaktoren angenommen. Mit seiner flexibleren Auslegung kann er städtereiche und - arme Gebiete erklären. Die Mittelzentren werden mit der Distanz zum Oberzentrum immer größer.

    E. von Böventer hat versucht aus diesen Ansätzen eine Raumwirtschaftstheorie zu entwickeln und diese Theorien um raumdifferenzierende Faktoren erweitert: Agglomerationsfaktoren, Transportkosten, Produktionsfaktor, Boden.

    Agglomerationfaktoren: Interne Ersparnis durch Kapazitätsausdehnung, externe Ersparnis: Alle anderen Vorteile großer Siedlungen. Der Produktionsfaktor Boden wird in produktiv und konsumtiv unterteilt. Die eigentliche Leistung Böventers ist der Nachweis, dass raumdifferenzierende Faktoren vom Entwicklungsstand der Ökonomie abhängen und jedes Entwicklungsstadium weist diesen raumdifferenzierenden Faktoren ein bestimmtes Gewicht zu und findet seine Standortstruktur: Abnehmende Bedeutung der Landwirtschaft und Transportkosten, Erhöhung der Personen- und Gütermobilität und Zentralisation der Produktion. In einer agrarischen Gesellschaft, d.h. bei niedrigen Produktions- aber hohen Transportkosten, gilt für die Landwirtschaft das Thünen- System, für die geringe Industrie das Lösch- System der Marktnetze (unterschiedlicher Dichte) und für die Dienstleistungen das Christaller- System. Mit steigender Industrialisierung konzentriert sich die ökonomische Aktivität auf Verdichtungsräume, weil die deglomerativ wirkenden Faktoren , eben Bodenleistung und Transportkosten, an Bedeutung verlieren.

    Allgemein zu den Standorttheorien: Wegen ihres Abstraktionsgrades nur sehr allgemeine Gesetze der Raumentwicklung.

    Regionale Wachstums- und Entwicklungstheorien

    Neoklassik
    Markt bewirkt einen interregionalen Ausgleich der Faktorentgelte, d.h. der Markt bewirkt einen Ausgleich der Einkommen. Der Zusammenhang zwischen organischer Zusammensetzung des Kapitals (Kapitalintensität) und Profitrate (Kapitalzins) bewirkt eine Angleichung, allgemeine Faktormobiliät vorausgesetzt. Die höchsten Wachstumsraten haben diejenigen Staaten, die die niedrigsten Pro- Kopf- Einkommen aufweisen. Die Neoklassik setzt die irreale allgemeine Mobilität voraus und beachtet die internen Agglomerationsersparnisse (Zentralisation)) nicht. Zudem wird nur die Angebotsseite beachtet und jegliche kulturelle Differenzierung (Verstädterung, Wohn- und Freizeitwert) ausgeblendet. Neoliberale Esoterik in räumlicher Dimension

    Die Postkeynesianische
    Theorie hingegen legt ihr Hauptaugenmerk auf die Nachfrageseite und betont die Bedeutung von Investitionen als die entscheidende Determinante wirtschaftlichen Wachstums. Nettoinvestitionen haben einen Einkommens-, Kapazitäts- und Komplementäreffekt, jeweils bei intra- und intersektorale Beziehungen. Keynes wies nach, das eine Nettoinvestition durch Folgeinvestitionen, die von der Sparquote abhängen, eine Einkommenserhöhung weit über die eigentlich Nettoinvestition hinaus zur Folge hat, sofern nicht ein bestehender Kapitalstock subventioniert wird. Gleichzeitig kann die Warenproduktion durch den ausgebauten Kapitalstock erweitert werden, was wiederum die Einkommen erhöht. Nettoinvestitionen bewirken im Vorwärtskoppelungseffekt Anschlussinvestitionen in der Weiterverarbeitung und Rückwärtskoppelungseffekte durch die investitionsbedingte Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Zusätzlich sind auch noch Komplementäreffekte der Endnachfrage, solche fiskalischer Art und solche technologischer Art bekannt. Der Kapazitätseffekt ist an den Investitionsstandort gebunden; der Einkommenseffekt hat eine räumlich diffundierende Wirkung (Pendlereinzug, hängt von der Verkehrsinfrastruktur ab). Die Komplementäreffekte haben eine räumlich, zeitlich und sektoral diffundierende Wirkung, an ihnen ist der Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft abzulesen. Je niedriger der Entwicklungsstand (vor allem Verkehr), desto stärker sind diese Effekte um die Nettoinvestition herum lokalisiert (Polarisation). Stark differierende Investitionstätigkeit führt zu Wachstumsgebieten (steigendes Einkommen, Wertschöpfung, Zuwanderung), Entleerungsgebieten (Abfluss mobiler Produktionsfaktoren, selektive Abwanderung vor allem der jungen qualifizierten Arbeitskräfte) und Stagnationsgebieten.

    Dieser räumliche Differenzierungsprozess ist vom Entwicklungsstand abhängig: Bei beginnender Industrialisierung fallen Einkommens, Kapazitäts- und Komplementäreffekte im Investitionspunkt zusammen. Dieser Punkt wird zur Agglomeration mit eigendynamischem Wirtschaftswachstum. Treten Agglomerationsnachteile auf, verteilt sich das Ganze, weil auch anderswo industrialisiert wird.

    Exportbasistheorie versus endogene Entwicklung

    Duesenberry
    Agrarlandexporte in ein Industrieland (Ruin der Bauern dort) werden mit Industriegüterexport bezahlt, was im Industrieland einen Multiplikatoreneffekt hervorruft, der den Ruin der Bauern mehr als wett macht.

    North
    Export initiiert Industrialisierung auch des inneren Marktes. Export wird als basic- activite angesehen und bestimmt die innere Entwicklung und damit die gesamte Entwicklung. Manko der Theorie: Das Produktionspotential einer Region wird nicht beachtet; nachfrageorientierte Theorie unter Vernachlässigung innerer Nachfrage, die Exportbasis hängt letztlich von einem leistungsfähigen lokalen Sektor ab, Export ist von den terms of trade abhängig, in der Regionalwissenschaft schlecht anzuwenden.

    Theorieansätze der endogenen Entwicklung (Partialansätze) sehen dagegen in der Aktivierung intraregionaler Potentiale die Grundlage für sozioökonomische Entwicklungschancen einer Region. Engpassfaktoren müssen analysiert werden, desgleichen regionalspezifische Qualitäten. Intraregionale Wirtschaftsverflechtung ist anzustreben.

    Wirtschaftsstufentheorie
    (Anlehnung an die Modernisierungstheorie von Moore/Dahrendorf)

    • Traditionelle Gesellschaft, agrarisch, feudal- hierarchisch.
    • Übergangsgesellschaft, Anstieg der Investitionsrate in der Landwirtschaft und im Bergbau, endogen oder induziert, kann ein Jahrhundert dauern.
    • Der wirtschaftliche Aufstieg, eigendynamisches Wachstum der Volkswirtschaft, Kapitalkonzentration, Investitionsrate mindestens 10%, Herausbildung führender Industriezweige mit hohen Wachstumsraten als Impulsgeber. 20-30 Jahre.
    • Die Entwicklung zur Reife, Verwissenschaftlichung (Taylorisierung), Ablösung des Bergbaus und des Stahls durch den Maschinenbau, die Elektrotechnik und die Chemie, 10-20%Investitionsrate, steigende Einkommen, Wirtschaftswachstum höher als das der Bevölkerung, Management- statt Eigentümerführung.
    • Fordistischer Massenkonsum.

    Die räumlichen Auswirkungen hat John Friedmann dargestellt:

    • Die vorindustrielle Raumstruktur besteht aus absolut und eng begrenzten, stabil- gleichgewichtigen Siedlungszentren mit marginalem Austausch und entsprechenden Wachstumsmöglichkeiten.
    • In der transitionalen Phase konzentriert sich das allein Wachstum auf die Primatstädte, die alle mobilen Produktionsfaktoren absorbieren und entsprechend andere Gebiete entleeren (Metropole / Peripherie).
    • Mit fortschreitender Industrialisierung wird durch politisch- gesellschaftlichen Druck eine Multikern- Struktur entwickelt. Teile der Peripherie werden in den produktiven Kreislauf integriert. Zwischen der Metropole und den Entwicklungszentren entstehen intensive Austauschbeziehungen.
    • In der postindustriellen Phase entsteht eine funktionale Interdependenz der Einzelräume etwa nach dem Christaller- Prinzip.

    Die Theorie der langen Wellen
    beschreibt makroökonomisch eine zyklische Wirtschaftsentwicklung (Industrialisierung) anhand von Basisinnovationen die den Aufschwung bewirken, solange ihre Innovationskraft anhält. Moderne Theorien unterscheiden 5 lange Wellen mit je eigenem Zentrum: 1. Industrielle Revolution: Dampfkraft, Textil, Eisen 2. Eisenbahnzeitalter, Dampfschiffe, Stahl. 3. Benzin- und Elektromotoren. 4. Petrochemie, erste Elektronik im Produktionsprozess. 5. Mikroelektronik, Kommunikationstheorie, Gentechnologie.

    Produktlebenszyklus.

    • 1. Entwicklung: Hohe kosten für Innovation, Verlustbereich trotz Quasi- Monopol. Hochqualifiziertes Umfeld notwendig.
    • 2. Wachstumsphase: Zunehmende Durchsetzung. Schwergewicht der Innovation (+Management) im Produktionsprozess. Hohe Gewinne. "Humankapitalintensität" wird durch "Sachkapitalintensität" abgelöst.
    • 3. Reifephase: Massenproduktion, sinkende Gewinne, Rationalisierungsphase.
    • 4. Schrumpfungsphase:

    Für jede Phase benötigt die Produktion einen besonderen Standort: Während der Entwicklung wird das Umfeld der urban- industriellen Metropole benötigt. Die Konkurrenzbedingungen erzwingen eine funktionale Standortspaltung oder -verlagerung in peripheren Gebieten oder Niedriglohnländer, der einstige Exportschlager wird importiert Tendenz der räumlichen Zentralisierung.

    Polarisationstheorien

    beruhen auf der Annahme eines zirkulär verursachten kumulativen Entwicklungsprozesses.

    Sektorale Polarisation (auf Schumpeter gegründet) anhand der Basisinnovationen der langen Wellen: Die Innovativen Unternehmensgruppen bilden als Wachstumspole motorische Einheiten mit eigenem funktionalem ökonomischem Bezugssystem, denn alle Koppelungseffekte (vorwärts wie rückwärts) gehen von ihnen aus, bestimmen also die Größe der abhängigen Investitionen/Produktionen und verleihen diesen Unternehmensgruppen die ökonomische und politische Macht die ihr genehme Allokation durchzusetzen. Es entstehen also vier interdependeten Polarisationseffekte: Technisch (interne Ersparnisse), psychologisch, Einkommen und Geographie. (Ihre Verhandlungsmacht als Innovatoren sichert ihre Position, negative Agglomerationseffekte können politisch beseitigt werden.)

    . "Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen sind die Variablen eines System so miteinander verbunden, dass die Veränderung einer Variablen die Veränderung einer anderen Variablen in gleicher Richtung bewirkt, diese wiederum aufgrund einer Rückkopplung die Intensität der ersten Veränderung verstärkt und im Zeitablauf einen kumulativen Prozess in Gang setzt." (positiv wie negativ: Die Fabrik brennt ab...) Die räumliche Polarisation ist dabei abhängig von zentripetalen Kräften (Entzugskräfte, Absorption: die Metropole produziert billiger und überflutet das Hinterland mit Produkten=selbstverstärkender Kreislauf) und zentrifugalen Kräfte (diffundierende Koppelungseffekte). Die zentrifugalen Kräfte steigen mit der wirtschaftlichen Entwicklung (Wissensausbreitung, Infrastruktur). Tendenz zur regionalen Differenz nimmt mit dem Entwicklungsniveau einer Volkswirtschaft ab. Die räumliche Polarisation ist nicht notwendig an lokalisierte Produktionsfaktoren gebunden, sonder kann sich auch marktkonform ausbreiten. Konsumgüter- und Dienstleistungsinnovationen breiten sich dann in konzentrischen Ringen aus. Produktionsinnovationen nehmen die Hauptverkehrsstraßen (der Kommunikation).

    1.+3. Welt:

    Der internationale Innovationsaustausch ist schneller als die Ausbreitung im Land der III. Welt. Wird die neue Innovation angewandt bevor die alte diffundiert ist, ergibt sich eine Stadt/ Land- Polarisation dort, andernfalls fällt das ganze Land wegen geringere Produktivität zurück und die Polarisation entwickelt sich zwischen den Ländern. Zentrum- Peripherie- Modelle ähneln marxistischer Argumentation und konstatieren ein säkulare Verschlechterung der terms of trade durch ungleich verteilte Produktivitätsentwicklung.

    Polarisationseffekte werden auch gesellschaftlich verstärkt:

    - das Zentrum erzwingt Bedingungen für eine organisierte Abhängigkeit der Peripherie und verstärkt seine Herrschaft durch selbstverstärkende Polarisationsmechanismen: Dominationseffekte, Informationseffekte, Psychologische Effekte, Modernisierungseffekte, Produktionseffekte, Kopplungseffekte.

    - Die Peripherie lernt trotzdem die Innovation kennen und rebelliert. Es folgt eine begrenzte Dezentralisation mit subsidären Zentren.

    Böventer

    Integration von Standorttheorie und regionaler Wachstumstheorie mit dem Ziel Agglomerations- und Dezentralisationsprozesse zu erklären

    - Industrialisierungsphase mit kumulativem Wachstum in wenigen Zentren.

    - Dezentralisation in verschiedene Zentren und Herausbildung intraregionaler/hierarchischer Arbeitsteilung (konzentrierte Dezentralisation).

    - dezentralisierte Konzentration (flächendeckende Nachindustrialisierung).

    Rechenmöglichkeit für die Raumstruktur:

    -Agglomerationsvariable (intraurban),-Hinterlandvariable, -Entwicklungsachsenvariable (interurban).

    EMPIRIE (Methoden)

    System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung: Einkommensentstehung (BIP,BSP), -verteilung (Lohnquote, Porfitquote, Abschreibungen),-verwendung (privater, Staatsverbrauch, Bruttoinvestitionen). Wegen der Unzulänglichkeit dieser Rechnung wurde schon früh die gesellschaftliche Gesamtrechnung (Lebenserwartung, Schulbildung, etc.) wenn auch schwach entwickelt.

    Methoden der Struktur- und Wachstumsanalyse: Gini- Koeffizient misst die Einkommensunterschiede; der Lokalisierungskoeffizient misst die Abweichung der Aktivitätskonzentration eines Teilraumes im Vergleich zum Gesamtraum. Der Spezialisierungskoeffizient misst sektorale Spezialisierung eines Teilraums im Vergleich zum Gesamtraum. Shift- Analysen vergleichen die Standort- und Strukturentwicklung (in der Zeit) eines Teilraums mit den gleichen Messgrößen des Gesamtraumes.

    Einkommen: In der Industrialisierungsphase (oft mit dualistischer Wirtschaftsstruktur) polarisiert, später wieder ausgeglichener.

    Raumwirtschaftspolitik

    ist die bewusste Gestaltung ökonomischer Raumsysteme durch öffentliche Institutionen und wird untergliedert in: Standortpolitik (Einzelförderung und Standortstrukturpolitik), Regionale Wachstums- und Entwicklungspolitik (Regionalpolitik für eine Region und regionale Strukturpolitik für alle), Räumliche Mobilitätspolitik (in Bewegung setzen). ((daneben können noch globale Wirtschaftssteuerung, sektorale Wirtschaftspolitik, etc. unterstützend eingreifen))

    Raumwirtschaftspolitik

    ist Gesellschaftspolitik; ihre Ziele (heute): Wachstumsziel (optimale räumliche Allokation); Stabilitätsziel; Gerechtigkeitsziel= Ausgleichsziel, Versorgungsziel, Ökologieziel. Die drei Hauptziele können in unterschiedlichen Industrialisierungsphasen unterschiedliche Widerspruchsformen annehmen.

    Voraussetzungen der Raumwirtschaftspolitik ist genaue Lageanalyse aller Faktoren und Kenntnis (Theorie) der Ursachen disparater Entwicklung. Strategische Grundsatzentscheidungen müssen getroffen werden. In der Literatur werden folgende Strategiealternativen diskutiert:

    - Integration versus Abkopplung: Streitpunkt ist die Steuerung der interregionalen Interaktionen, d.h. ob zur Überwindung der Disparitäten die Faktormobilität gefördert oder unterbunden werden soll. Die neoklassische Theorie geht von einem Ausgleich der Profitraten und Faktorelemente aus. Diese Theorie sieht in Mobilitätshemmnissen den Grund für disparate Entwicklung. Die Dependenztheorien und die Polarisationstheorien fordern eine temporäre/selektive Abkopplung, da der Freihandel für die unterentwickelten Regionen einen Ressourcenabfluss zur Folge hat. Ziel ist die Entwicklung einer bedürfnisorientierten Binnenstruktur, bis in der Bereich der Kommunikations- und Transportwege. Die Polarisation- Reserval- Theorie konstatiert zuerst eine Polarisation und dann den Ausgleich.

    - Raumentwicklung "von oben" oder "von unten": Wiederholt die eben angeführte Diskussion, ob die raumwirtschaftliche Entwicklung vom Zentrum oder von der Peripherie her zu denken ist. "Von Oben" versucht die Sicker-, Diffusions- und Komplementäreffekte zu beschleunigen.

    - Aktive versus passive Sanierung: Sollen Schrumpfungsprozesse gebremst (gesteuerte Neuansiedlung) oder beschleunigt (Abwanderungserleichterungen) werden.

    - Ausgeglichene Funktionsräume versus funktionsräumliche Arbeitsteilung: Hier werden in einem polarisierten Raumsystem für die Teilräume ganz unterschiedliche Entwicklungsstrategien vorgeschlagen. Ausgeglichene Funktionsräume entstehen nach einer Diffusion der ökonomischen Aktivitäten. Funktionsräumliche Arbeitsteilung weist den Teilräumen eine Spezialisierung entsprechen ihrer besonderen Eignung zu (z.B. durch Abwanderung zu erreichen). Insbesondere verneint diese Strategie die Dezentralisation von Agglomerationsräumen und setzt auf ökologische Ausgleichsräume.

    Einzelstrategien:

    - Countermagnet- Strategie: Bei Problemen mit einer zu dominanten Primatstadt während der Industrialisierung, die zu viele Faktoren abzieht. Dem soll durch die äußerst massive Förderung eines Gegenmagneten begegnet werden.

    - Wachstumszentrenstrategien basieren auf der Idee, dass ein solches Zentrum motorische Einheiten enthält (Wachstumspoltheorie)= staatliche Förderung. das Stahlwerk in der Wüste hat sich nicht bewährt.

    - Entwicklungsachsenstrategien besitzen Parallelen zu denen mit Gegenmagneten. Die Grundidee ist der Ausbau bestehender Transportbänder zwischen zwei Magneten zu multifunktionalen Entwicklungsbänder und die Gründung neuer Zentren an der Perlenschnur.

    Die Strategie der Entlastungsorte setzt auf die Gründung von Trabantenstädten in 40-120km Entfernung von der Metropole um deren Agglomerationsnachteile zu mindern.

    Die Mittelzentrenstrategie basiert auf der Theorie der zentralen Orte und versucht räumliche Disparitäten durch Ausbau von Mittelzentren abzubauen, da diese Zentren die Diffusion fördern und auch in schwach strukturierten Gebieten eine gewisse Versorgung (Landhandel, Schulen, Gesundheit) garantieren.

    Instrumente der Raumwirtschaftspolitik:

    -Ins. zur Steuerung der Gütermobilität: Zuzugsbeschränkung, Anwerbung, Steuern auf Investitionen, Zölle, Einfuhrbeschränkungen.

    -Infrastrukturmittel: Personell, materiell und institutionell. Weiterhin kann in haushalts- und unternehmensorientiert unterschieden werden. Von Wohnungsbau bis Hafen, von Zollhäuschen bis Hochschule, von Krankenhaus bis Industriepark - alles.

    - Instrumente zur Beeinflussung der regionalen Nachfrage (Konsum- und Investitionsgüter): Alaska- Prämie, Ortszuschlag, öffentliche Aufträge etc. Länderfinanzausgleich.

    - Instrumente zur Beeinflussung des regionsinternen Produktionspotentials und der Faktorausstattung: Zielgruppe sind private Unternehmen. Mittel können Informations- (Erweiterung des Standortsuchraums), Anreiz-, Abschreckungs- und Zwangsmittel (von Ansiedlungsverbot bis Umweltschutzgesetz) sein.

    Anreiz- und Abschreckungsmittel: Investitionszuschüsse oder -abgaben, Kredithilfen, allgemeine Steuervergünstigungen (dauernd oder temporär), bezuschusste Energietarife.