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6. Organisation und Institutionalisierung im Wandel - Kriegsvorbereitung und Krieg

Im Mai 1941 schreibt einer derjenigen, deren Job jahrelang die Koordination von Flächennutzungsplänen mit Straßenneubauten war, folgende Zeilen an die Redaktion der ihn betreffenden Fachzeitschrift:

 "Bomben brechen die Haufenstadt."
"Unser Mitarbeiter (der Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung , M.B.), Heinrich Dörr, der sich zur Zeit im Felde befindet, sendet uns aus der Bereitstellung den nachstehenden Beitrag, in dem er die Erfahrungen des Luftkrieges für den Städtebau auswertet."1
 "Ein feldgrauer Planer meldet sich zu Wort. Keinesfalls um als Soldat mit raumplanerischem Vorleben seinerseits über die räumlichen Kriegsziele ein übriges zu reden. Nach der klaren Beweisführung des Führers, vor wie während des Krieges immer wieder dargelegt, weiß jeder Deutsche, worum es für ein 'Volk ohne Raum' in der Auseinandersetzung mit den raumfremden Räuberreichen geht. Darüber hinaus war der Fachwelt für die wissenschaftliche Erläuterung dieses Gegensatzes und für die Erarbeitung raumplanlicher Taktiken hinlänglich Zeit in den Jahren der sachlichen und geistigen Aufrüstung gelassen worden. Ferner erübrigt es sich für den Soldaten, über die Struktur der durch die Wehrmacht erlösten und besetzten Gebiete zu berichten. Der fechtenden Truppe sind ja alsbald Planungsreferenten gefolgt, die den neuen Raum in Ost und West raumplanlich erkunden, auswerten und erobern."
 2

Ausgangspunkt dieses Kapitels ist der Wandel der Organisationsform und der Institutionalisierung der Raumplanung aus der Perspektive ihrer gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Funktion. Entstanden ist dieses Kapitel direkt aus dem Arbeitsprozeß. Da die Raumplanung für diesen historischen Abschnitt bislang noch nicht systematisch untersucht ist, habe ich einfach die bekannten Institutionen nacheinander durchgearbeitet und sie ihrem Entstehungsdatum nach geordnet. Bei den Betrachtungen steht die funktionale Bedeutung und die tatsächlich ausgeführten Planungen, also weniger die offizielle Geschichte der Institutionen im Vordergrund. Dabei wird eine Entwicklung sichtbar.

Obschon hier nur eine eingegrenzte Darstellung im Sinne des Beitragsthemas geleistet werden soll, muß auch diese Darstellung wegen der schwierigen Quellenlage (siehe dazu die Einleitung) notwendig unvollständig bleiben, da mit dem Kriegsverlauf eine gewissen Unübersichtlichkeit einhergeht; bearbeitet wird räumlich jeweils das Gebiet der Hauptaktivitäten.

Dargestellt werden:

- Die Reichsstelle für Raumordnung (1935).
Oberste und die nach Verwaltungsgrenzen geordnete Landesplanungen zusammenfassende Behörde des Reiches (siehe Abs. 2.2.).

- Die Planungsabteilung der Vierjahresplanbehörde (1936).
Die Planungsabteilung ist integraler Bestandteil der Vierjahresplanbehörde.
Vorsitz: Hans Kehrl.

- Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung (1936).
Zusammenfassende Arbeitsgemeinschaft der Raumplaner (oder solche, die es werden wollten) der Arbeitsgemeinschaften/ Institute an den Hochschulen.
Obmann: Konrad Meyer.

- Die Planungshauptabteilung beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (1939). Diese Abteilung heißt offiziell ab 1940 Hauptabteilung Planung und Boden, erhält das Kürzel C33 und wird in Quellen und Literatur hin und wieder auch Planungsamt genannt.
Leiter: Konrad Meyer.

- Abteilung Raumplanung und Städtebau.
Die am 03. 05. 1940 gegründete Unterabteilung der Hauptabteilung Planung und Boden für die (polnischen) Städte. Vorsitz: Josef Umlauf.

- Während des Kriegsverlaufs vervielfältigen sich die Planungsinstitutionen ohne ein erkennbares organisatorisches Muster (siehe Abs. 6.4.).

Nicht weiter beachtet wurden:

- Die Hauptabteilung für Raumordnung im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, eine Konkurrenzinstitution zur Hauptabteilung Planung und Boden (C33), mit der Reichsminister Rosenberg vergeblich versuchte, sich gegen Himmler durchzusetzen. Aus dieser Hauptabteilung für Raumordnung sind weder wirksame Planungen noch relevante Veröffentlichungen bekannt.3

- Gleichzeitig mit der Reichsstelle für Raumordnung wird eine kleine parteieigene Institution, die Akademie für Landesforschung und Reichsplanung, offensichtlich zur Kontrolle der Raumplanung durch die Partei gegründet. Diese Akademie versammelt zu ihren Tagungen Raumplaner der Stadt-, Regional-, Landes-, Reichs- und Ostplanung, offensichtlich zu dem Zweck, eine wechselseitige Abstimmung mit der Parteilinie zu erreichen.4

- In verschiedenen Institutionen der Deutsche Arbeitsfront wurden raumplanerische Gedanken mehr am Rande aufgegriffen: Im Hauptschulungsamt, im Heimstättenamt, vor allem aber im Arbeitswissenschaftlichen Institut der Deutschen Arbeitsfront wurde Raumplanung als den eigenen Zielen nützlich begriffen. Die Deutsche Arbeitsfront insgesamt zielte auf Inkorporation der deutschen Arbeiter in den Nationalsozialismus, entwickelte auch bei raumplanerischen Aktivitäten entsprechende Programme und forderte vor allem soziale Aufstiegsmöglichkeiten für deutsche Arbeiter auch durch die Ostexpansion.5  Daß die deutsche Arbeitsfront bei der Ostplanung in der Konkurrenz zu Himmler unterlag6  zeigt, wie die faschistische Inkorporation der Arbeiter gedacht war - und wie nicht.

Besonderes Augenmerk verdient das Gewaltpotential der unterschiedlichen Institutionen (im angesprochenen Zeitabschnitt), ihrer Planungen und der Durchführung. Denn das ist ja die zentralen Frage, woher denn diese Planungsreferenten kommen und wieso Planer, die ihre neue Disziplin an Bebauungs- und Flächennutzungsplänen entwickelten, nun euphorisch in der Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung über die das Stadtbild auflockernde Wirkung deutscher Bomberstaffeln berichten.7

 

6.1. Die Reichsstelle für Raumordnung

Eine von der Reichsstelle für Raumordnung vorangetriebene Expansionstendenz in dem Sinne, daß die Raumplanungen für die besetzten oder zu besetzenden Gebiete vor der militärischen Aggression veröffentlicht wurden, ist nicht nachzuweisen. Dies ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, da solche Planungen (egal von wem), sollten sie vorher schon existiert haben - was wahrscheinlich ist - unter die militärische Geheimhaltung fielen. Solch eine Expansionstendenz wird aber schon sehr früh und häufig angedeutet, so auch vom aus den Agrarwissenschaften kommenden Raumplaner Hans Merkel in Raumforschung und Raumordnung 1/ 1936:

 "Dabei muß bewußt sein, daß wir ein Volk ohne Raum sind. (...) nahezu 15% der landwirtschaftlichen Nutzungsfläche gingen außerdem durch den Versailler Vertrag verloren. (...) Dieser Raum ist zu knapp, als das er gleichzeitig den gesamten Ernährungs- Spinnstoff- und Holzbedarf des deutschen Volkes decken könnte. Andererseits ist ein umfassender Landbedarf für die kommenden Siedlungsnotwendigkeiten (...) vorhanden. Hier muß der entsprechende Ausgleich gefunden werden, der allen völkischen Lebensbedürfnissen gerecht wird."8

Auch auffällig ist die häufige und stillschweigende Miteinbeziehung der im Vertrag von Versailles abgetretenen Gebiete in geographische Betrachtungen, insbesondere ins Kartenmaterial. Die veröffentlichten Raumplanungen (insgesamt) gingen der Wehrmacht also nicht voraus, sondern hinterher, allerdings nur wenige Wochen, was auf eine planerische Vorbereitung deutet. Von der Reichsstelle für Raumordnung sind zudem keine Planungen im Zusammenhang mit laufenden Feldzügen und insbesondere keine Ostplanungen überliefert.

Die der "fechtenden Truppe" folgenden "Planer" waren also nicht (oder nicht mehr) in der Reichsstelle organisiert, die doch die zentrale Raumplanungsinstitution sein sollte, deren weitere Entwicklung also zur Erklärung dieses Umstands untersucht werden muß.

Die gesamtstaatliche Kontrolle der in den Siedlungsverbänden entwickelten Raumplanung durch die Auflösung dieser Verbände und die Gründung der Reichsstelle für Raumordnung sollte - wie in Abs. 2.2. gezeigt - die gesamtstaatliche Regulation infrastruktureller Interessen etablieren. Das gelang auch insofern, als die Raumplanung nun nicht mehr unmittelbar (!) an bestimmte Kapitalgruppen, die ja noch die Siedlungsverbände dominierten, gebunden war. Diese fortschreitende Institutionalisierung bewirkte also die Nutzbarmachung der Raumplanung abseits jedweder Branchenspezifik. So war z.B. der Dr.- Helmuth- Plan (dessen Vorarbeiten schon ab 1935 begannen) nicht mehr unmittelbar an die Interessen bestimmter Industriezweige geknüpft; aber es war ein Regionalplan. Die Initiative für operative raumplanerische Maßnahmen lag jetzt meist bei der Regional- und Landesplanung. Raumplanung wurde zum Instrument und Schnittpunkt von Regionalinteressen. Der per Führererlaß zugewiesene Aufgabenbereich "übergeordnete Planung des deutschen Reiches" beschreibt also mehr die Freude der Nazis über dieses neue Instrument als dessen tatsächliche Funktion. Für flexible Umgestaltungsmaßnahmen galt sie damals schon als zu schwerfällig und hatte zudem mit Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der politischen Führung zu kämpfen.9

Insbesondere wurden der Reichsstelle keine kriegstauglichen Planungen zugetraut, da sich innerhalb dieser eben die Landesplanungen zusammenfassenden Behörde die unterschiedlichen regionalen Interessen der jeweiligen Gauleiter widerspiegelten, die schon bald nach ihrer Gründung die Bedeutung der Reichsstelle erkannt hatten und auf ihre Entscheidungen Einfluß zu nehmen suchten.

 "Insgesamt reichte das Planungsinstrumentarium der Reichsstelle aber nicht aus, um den Gauleitern auf ihre Region bezogene Planungen zu untersagen."10

Die gesamtstaatliche Kontrollfunktion der Raumplanung durch die Reichsstelle für Raumordnung ging also nicht soweit, daß die Raumplanung damit einem zentralen Befehl unterstanden hätte, womit aber die Reichsstelle für die Planung der Außenexpansion untauglich war. Die solches durch eigene Raumplanungen hintertrieben, eben die Gauleiter, zählten nun ihrerseits zu den Stützen des Regimes und konnten nicht einfach entmachtet werden. Parallelorganisationen mußten her; die Reichsstelle konnte keine effektiven Kriegsvorbereitungen bewerkstelligen. Die in der Reichsstelle für Raumordnung arbeitenden Fachleute wurden aber selbstverständlich in die Kriegsplanungen miteinbezogen, nur eben unter einem anderen organisatorischen Dach.

 "Die Reichsstelle für Raumordnung stellte rassepolitische Gesichtspunkte (die Autorin betrachtet hier die ideologischen Unterschiede, M.B.) weniger ins Blickfeld ihrer Betrachtungen und betrieb eher ein technokratisches Planungsgeschäft. Einzelne Mitarbeiter der Reichsstelle für Raumordnung waren aber an entsprechenden Planungen und Vorhaben beteiligt. (...) Insgesamt hat die Reichsstelle für Raumordnung in der Ostplanung kaum eine Rolle gespielt. Dennoch hatten die einzelnen Landesplanungsgemeinschaften rege Kontakte in den Osten."11

Dort konnten sie dann mithelfen, die gewünschte Okkupationspolitik in administrative Maßnahmen umzusetzen. Die Analyse der Gründung der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung im Herbst 1936 (Obmann: Konrad Meyer) läßt dies noch einmal deutlich werden.

6.2. Vierjahresplanbehörde und Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung

Diese Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung sollte die Koordination der 42 extra hierfür um- oder neugegründeten Hochschularbeitsgemeinschaften12  leisten und darüber hinaus diese Koordination für die Vierjahresplanbehörde Görings dienstbar machen, zu deren Verfügung sie eigentlich gegründet wurde. 13

Für diese Reichsarbeitsgemeinschaft wird auch die Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung gegründet, womit die Raumplanung in Deutschland erstmalig ein zentrales Medium erhielt. Herausgegeben wurde sie in Berlin von Konrad Meyer (später von Paul Ritterbusch); ihr "Hauptschriftleiter" (etwa: Chefredakteur) war Frank Glatzel. Diese Zeitschrift war von Anfang an Medium aller Raumplaner, insbesondere auch der der Reichsstelle, die darin regelmäßig veröffentlichten. 14

 "Als ordentlicher Professor (...) leitete er (Konrad Meyer, M.B.) die im Zusammenhang mit dem Vierjahresplan gegründete Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung bis zum Jahr 1940. Die Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung entwickelte die Raumordnung zu einem wissenschaftlich fundierten Instrument staatlicher Planung. Sie gewann erheblichen Einfluß und Hitler ordnete sie schließlich dem Reichsministerium für kirchliche Angelegenheiten zu, das ihm in besonderer Weise unterstand."15

Mit der Reichsarbeitsgemeinschaft wurde also im Herbst 1936 eine zweite gesamtstaatliche Raumplanungsinstitution (sicherlich mit Forschungsschwerpunkt, was aber bei dieser Disziplin nicht das entscheidende Kriterium ist) an der Reichsstelle für Raumordnung vorbei gegründet und mit ihrer Aufgabenstellung an die Vierjahresplanbehörde gebunden.

Diese Vierjahresplanbehörde war das von Göring zum Zwecke der Durchsetzung des (2.) Vierjahresplans geschaffene Zentralbüro und damit die Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Wehrmacht. Raumplanung sollte und wurde Teilfunktion bei der Planung und Durchsetzung des (2.) Vierjahresplans.

Der (2.) Vierjahresplan war die eigentliche Kriegsankündigung des Naziregimes, in der die Kriegsfähigkeit des Deutschen Reiches in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht binnen eines Zeitraums von vier Jahren als verbindliches politisches Ziel festgelegt wurde.

Die dazugehörige Behörde sollte die Transformation der kriegerischen Ziele in einzelne Planungsmaßnahmen leisten, die Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung war dazu anfangs ein (!) wichtiger Brain- Trust, ihre Zuarbeit wurde mit der Zeit immer konkreter. Soweit expansionistische Planungen gefordert waren, war die Reichsarbeitsgemeinschaft die Brücke der Vierjahresplanbehörde zu der planenden und forschenden Intelligenz an den Hochschulen.16

Dazu hatte die Vierjahresplanbehörde einen Generalrat (Vorsitz: Göring) und verschiedene Abteilungen, unter anderem eine Planungsabteilung (Vorsitz: Hans Kehrl, bis er ins Rüstungsministerium wechselte), die den Kontakt zu den Raumplanern der Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung sicherte.

Planungen für die Vierjahresplanbehörde unterlagen von Anfang an der Geheimhaltung und sind heute (sofern nicht vernichtet) hauptsächlich im Berlin Document Center gelagert. Die Veröffentlichungen in der Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung sind weiterhin allgemein gehalten und tragen den Charakter der Zuarbeit. Besondere Aufmerksamkeit wird der süd/osteuropäischen landwirtschaftlichen Besitz- und Produktionsstruktur, der Metallurgie und der dortigen Kleinindustrie gewidmet. Angesichts des immer wahrscheinlicher werdenden Krieges und besonders seit seinem Beginn wurde die Vierjahresplanbehörde zu dem übergeordneten Planungsinstrument im Deutschen Reich.

 "Bis 1939 vermieden die Staaten Südosteuropas (so gut das noch ging, M.B.) eine einseitige wirtschaftliche Ausrichtung und exportierten einen Teil der Inlandsproduktion nach England und Frankreich. Mit Beginn des Krieges änderte sich dies radikal. Deutschland unterband den Export in die gegnerischen Staaten. Der Großwirtschaftsraum, der sich mit den üblichen (falsch, das Prinzip von Zwangsanleihe und Clearingzentrale war neu, M.B.) wirtschaftlich-imperialistischen Mitteln als politisch nicht durchsetzbar erwiesen hatte, wurde nun mit militärischer Gewalt erzwungen."17

Den Zielen und Konzepten des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags fügte die Vierjahresplanbehörde das Ziel der "wehrwirtschaftlichen Blockdesicherheit" hinzu.18

In Zusammenarbeit mit dem Reichswirtschaftsministerium (über den Verbindungsmann Gustav Schlotterer) wurden die gewünschten Produktionsumstellungen und Kapitalverflechtungen abgestimmt.19

Über die einzelnen Maßnahmen können Rückschlüsse nur aus Lageberichten der Besatzer gezogen werden. Und danach hatten die Landwirte in Süd/Osteuropa nur ein sehr geringes Interesse an der "wehrwirtschaftlichen Blockadesicherheit" des Deutschen Reiches: Sie boykottierten die die Produktion der für den Export nach Deutschland vorgesehenen Ertragsmengen durch Subsistenzwirtschaft und passiven Widerstand.20

 

6.3. Himmler, der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums

Thema dieses Abschnitts ist die Einbindung der Raumplanung in die Oststrategie der SS, es wird das Gebiet der Hauptaktivitäten behandelt. Diese Oststrategie der SS weist einen grundsätzlichen Unterschied in der Behandlung der osteuropäischen Städte und des osteuropäischen Landes auf; dementsprechend ist dieser Abschnitt gegliedert.

6.3.1. Das polnische Land als Planungsraum

Bereits einen Monat nach dem deutschen Überfall auf Polen erschien in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung ein Artikel21 , der die kriegswichtigen Forschungsvorhaben definierte. Anfang 1940 folgte ein Beitrag des Chefredakteurs (sog. Hauptschriftleiter), der noch weitergehende Einblicke in die Zielrichtung der damaligen Raumplanung und ihre Einbindung in den Nationalsozialismus bietet:

 Durch die Neugestaltung der Verhältnisse im Osten haben wir neue Siedlungsgebiete gewonnen, deren Gestaltung uns (...) die größten Aufgaben stellt. (...)

Es gilt, diese neu- und wiedergewonnenen Provinzen zum festen Bestandteil unseres Volksbodens und Lebensraums zu machen, sie mit deutschen Menschen zu besiedeln und sie in einem großen Kolonisationsakt mit dem Mutterlande zu verbinden. Geht schon hieraus hervor, daß die Entwicklung im Zusammenhang mit der gesamten Wirtschafts- und Sozialstruktur gesehen werden muß, so ist darüber hinaus zu beachten, daß die neuen Grenzen Deutschlands und die gesteigerte Macht des nationalsozialistischen Reiches im europäischen Raum für die wirtschaftliche und kulturelle Entfaltung unseres Volkes völlig neue Ansatzpunkte schafft.

Der Aufbau der neuen Siedlungsstruktur muß seine Kraft aus den völkischen Reserven des Altreichs einschließlich der Ostmark und der sudetendeutschen Gebiete ziehen (...).

Um der Bedeutung dieser einmaligen Siedlungsaufgabe willen hat der Führer in der Person des Reichsführers SS, Himmler, mit der Bezeichnung 'Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums' durch seinen Erlaß vom 7. 10 1939 einen mit besonderen Vollmachten ausgestatteten Kommissar eingesetzt, dem außer der Rückführung der Deutschen aus dem Ausland und außer der Ansiedlung geeigneter kolonisatorischer Kräfte aus dem Altreich auch die Gestaltung der neuen Siedlungsgebiete übertragen ist.

Er führt diese Aufgabe in engster Zusammenarbeit mit allen hierfür in Frage kommenden Stellen von Partei und Staat durch und insbesondere in engster Zusammenarbeit mit dem Leiter der Reichsstelle für Raumordnung. Die im Kriegsprogramm22  der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung vorgesehene Hauptaufgabe II, 'Untersuchung über die Möglichkeiten der Stärkung und Festigung deutschen Volkstums und der Bildung neuen deutschen Volksbodens im deutschen Ostraum, ist auf diese größte deutsche Kolonisationsaufgabe unserer Zeit ausgerichtet und steht unmittelbar in ihrem Dienst."23

Die (Selbst)Ernennung Himmlers datiert auf den 7. 10. 1939; die sog. Hauptaufgaben der Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung waren schon genau definiert und mit der sonstigen Kriegszielplanung abgestimmt - dies muß schon deutlich vor dem 1. 9. 1939 begonnen worden sein. Bemerkenswert ist die Wandlung der politischen Konzeption in der Ausplünderung fremder Länder; sollten die Länder Südosteuropas noch in einen Ergänzungsverkehr hineingepreßt werden, aber ansonsten unverändert bleiben, so soll im Gegensatz dazu Polen gänzlich vernichtet werden.

Und auch hier, gemeint ist das gerade überfallene Polen, wird der Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Kolonisation überdeutlich:

 "Die Aufgabe der Gewinnung von Siedlern für den Osten hängt auf das engste mit der Gesundung derjenigen Agrargebiete zusammen, die entweder als Realteilgebiete oder aus sonstigen Gründen zu eng besetzt sind und geeignete Menschen abgeben können. Dabei ist (...) entscheidend, wie die auszusiedelnden Familien im Interesse der Ostsiedlung biologisch oder als Besitzer neuer Höfe hinsichtlich ihrer fachlichen Eignung (vulgo: politischen Ausrichtung, M.B.) beurteilt werden können. Nicht alle Familien, die vom Standpunkt der Sanierung (...) ihre zu kleinen Ackerstellen abzugeben haben, sind als Kolonisatoren für den Osten erwünscht. (...)

Entsprechend dem Ausgangspunkt der Überlegungen wurden die Untersuchungen zunächst in erster Linie für die Realteilungsgebiete angesetzt und daher Baden, die Rheinprovinz, Württemberg, Franken und das rhein- mainische Gebiet für die Untersuchungen in Aussicht genommen. Sehr bald zeigte sich, daß die Arbeiten weiter ausgedehnt werden müssen. (Wer will schon zu kurz kommen, M.B.) Die Saarpfalz, Hessen, Westfalen, Thüringen, Hannover und ganz Bayern wurden im Frühjahr dieses Jahres (1940) neu in die Untersuchungen eingeordnet. Gegenwärtig besteht unter den beteiligten Stellen (und, so ist zu vermuten, nicht nur dort, M.B.) Einigkeit darüber, daß es notwendig ist, alle Landschaften des Reiches (...) einzubeziehen (...)" .24

Es ist deutlich zu sehen, wie aus einem angeblichen Sanierungsprogramm für sog. Notstandsgebiete eine großangelegte Kolonisation geraubten Landes wird und zur Legitimation der Erfolg westeuropäischer Konkurrenten herangezogen wird:

 "Bekanntlich ist der neue Weltkrieg zu einem wesentlichen Teil eine Folge des Überdrucks, den die monopolistische Abschottung der Überseeländer gegen die Zuwanderung der europäischen (und japanischen) agraren Bevölkerungsüberschüsse erzeugt hat."25

Wieso ausgerechnet Polen? Dort waren deutsche Minderheiten ansässig, die sich schon früh als Sprungbretter26  für weitere Expansion verwenden ließen, vor allem aber schien Polen die Möglichkeit zu bieten, es als zukünftige Kolonie zu verwenden.

Polen befand sich zur damaligen Zeit in einem schwierigen verspäteten Industrialisierungsprozeß mit all seinen typischen Problemen. Der Bevölkerungsgeograph würde die Situation als schwierigen demographischen Übergang bezeichnen, der durch eine träge halbfeudale Großgrundbesitzerklasse im Osten des Landes, sehr kleine Ackerstellen durch Realteilung im Westen, Kapitalmangel und der daraus resultierenden Armut noch verschärft wurde.27

Der normale Proletarisierungsprozeß wird in Osteuropa den Juden28  als ihr Versäumnis (von Polen und Deutschen) angedichtet und von den Deutschen wie schon zu Malthus' Zeiten als Überbevölkerung definiert. Überbevölkerung ist dabei als politischer Kampfbegriff derjenigen zu sehen, die an einer Industrialisierung Polens kein Interesse hatten, dies zunehmend als "Judenfrage" definierten und aus der angeblichen Gefahr einer Bauernrevolution nach russischem Vorbild, die Notwendigkeit politischen Handelns abzuleiten versuchten.29

Parallel zur Raumplanung entstand in Deutschland die moderne Bevölkerungswissenschaft.

Deren Credo war schon nach kurzer Zeit die Bevölkerungsreduktion und eben nicht eine fortgesetzte, eigenständige, flächendeckende Industrialisierung (Ost)Europas. Nur so ließ sich ein Kolonialstatus insbesondere Osteuropas schaffen und dann aufrechterhalten.

Die Empirie dazu lieferte schon seit den zwanziger Jahren das Institut für Osteuropäische Wirtschaft, welches 1933 von Theodor Oberländer (einem Nazi der 1. Stunde) übernommen wurde und dann Ton und Inhalt deutlich änderte.

 "In ihrer Zielsetzung waren diese Forschungsorganisationen (es gab davon mehrere, das hier genannte ist für Polen das wichtigste, M.B.) politisch konservativ und deutschnational, auf den Kampf gegen die polnische Wissenschaft und auf 'Volkstumsforschung' ausgerichtet und hatten mit ihrer publizistischen Tätigkeit insbesondere Grenzrevisionen im Sinn."30

Diese empirischen Vorarbeiten waren später eine der wichtigsten Grundlagen der Raumplanungen, was an den häufigen Veröffentlichungen in der Zeitschrift Raumforschung und Raumplanung und auch der direkten Inkorporation einiger Mitarbeiter in die Raumplanung deutlich wird.31  Parallel dazu definierte die Forschungsstelle der IG Farben - die Volkswirtschaftliche Abteilung mit Sitz in Berlin - seit 1933 in unverhüllter Form die Interessen der imperialistisch gesinnten Großindustrie (nicht nur) in dieser Region. Der Leiter dieser Abteilung Anton Reithinger kombinierte dann auch erstmalig die Vorstellungen des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags (bei er dem ebenfalls mitarbeitete) mit dem "Bevölkerungsproblem" bei (zwangsweise) ausbleibender Industrialisierung.32

 "Für die deutsche Expertokratie im besetzten Polen war (...) genau dies die Lösung der von Theodor Oberländer, Werner Conze (sog. Bevölkerungswissenschaftler, M.B.) und zahlreichen anderen Wissenschaftlern analysierten Probleme: Durch eine 'Verminderung der Volkszahl' sollte gleichermaßen der 'Bevölkerungsdruck' reduziert und Kapital zur Modernisierung der Wirtschaft akkumuliert werden, da das besetzte Polen sonst dem deutsch beherrschten 'Großraum zur Last fallen' würde. Die Tatsache, daß in einem Land die meisten Menschen nicht auf deutschem Produktivitätsniveau arbeiteten (...), beschrieben sie bald mit den Worten, daß in der polnischen Landwirtschaft jeder zweite Mensch nichts sei 'als toter Ballast'." 33

 "Die bevölkerungs- und strukturpolitischen Konzeptionen erarbeitete ein spezielles Planungsamt (die  Hauptabteilung für Planung und Boden C33 , M.B.) innerhalb des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums. Dessen Leitung hatte Himmler dem Berliner Agrar- und Raumordnungsfachmann Konrad Meyer übertragen. Er beriet Himmler in allen agrar- und siedlungspolitschen Fragen. (...) Ihm oblag es, die grundlegende Planung für alle beteiligten Behörden zu erarbeiten und die Pläne der einzelnen Institutionen aufeinander abzustimmen. Praktisch nutzte der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums von Anbeginn an fast alle zivilen und wissenschaftlichen Planungseinrichtungen als Unterbau."34

Dazu gehörten die Landesplaner (an der Reichsstelle vorbei), die Planungsabteilung bei der Vierjahresplanbehörde und die Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung.

Nur die Ausführung der Einzelmaßnahmen übernahm jetzt eine besondere Truppe: die SS.  Und deren exekutive "Möglichkeiten" waren andere.

 "Die zivilen Instanzen konnten nun davon ausgehen, daß sich fast jedes ihrer Konzepte, und sei es noch so utopisch, als machbar erweisen würde. (...) In der Zusammenarbeit zwischen den zivilen Instanzen und dem mit den exekutiven Möglichkeiten der SS ausgestatteten Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums entwickelte sich eine wechselseitige Dynamisierung."35

Um den landwirtschaftlichen Grundbesitz im annektierten Westpolen zu konfiszieren, richtete der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums ein Zentralbodenamt ein, das zusammen mit den von der SS geführten regionalen Bodenämtern und unter Verwendung der schon angesprochenen Empirie, die Vertreibung36  und Internierung oder Abschiebung per Kartierung praktikabel vorbereitete.37

Die Planung und Koordination lag also über den Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums bei Konrad Meyers Hauptabteilung Planung und Boden. Die Ausführung übernahm die SS unter Leitung des Rasse- und Siedlungshauptamtes. Die Himmler direkt zugeordnete Hauptabteilung Planung und Boden hatte gegenüber allen Hauptämtern und sonstigen Dienststellen der SS strikte Befehlsgewalt.38

 "Der Agrarfachmann Meyer dachte eingehend über die landwirtschaftliche Siedlungs- und Besitzstruktur nach. (...) Ebenso ließ er detaillierte Pläne ausarbeiten über die Elektrifizierung der ("eingedeutschten", M.B.) neuen Dörfer (...). In den Städten beabsichtigte Meyer eine 'völlige bauliche Umgestaltung'"39

Betriebsliquidationen, -zusammenlegungen, -arisierungen, Verkehrswegeplanung Energieversorgungsplanung, ein passendes Kreditsystem, alles das gehörte zum Aufgabenbereich des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums - und alles unter den Prämissen "Eindeutschung" und "Bevölkerungsreduktion." 40

 "Bereits im Oktober 1939 begannen dann die Vorbereitungen für die geplanten Aussiedlungsaktionen: Man legte Listen und Karteien an, bereitete Etappenlager vor, stimmte Eisenbahntransportpläne ab und nahm Geländeinspektionen vor. Auch der erst Nahplan wurde erarbeitet."41

 "Nach einem ersten 'Nahplan' wurden im Dezember 1939 mehr als 160000 polnische Bürger vertrieben (...) und in einem zweiten Nahplan sollten im Frühjahr 1940 400.000 den (anzusiedelnden M.B.) Baltendeutschen weichen. Insgesamt ging es um knapp 7 Millionen Menschen (...)."42

In den annektierten Gebieten Westpolens sollten also die Juden und ein Teil der Polen verschwinden und durch deutsche Siedler ersetzt werden (siehe dazu das Eingangszitat dieses Abschnitts), gleichzeitig sollte die Bevölkerungsdichte gesenkt und so das Gebiet zu einer Kornkammer Deutschlands gemacht werden.

Und nur Raumplaner schienen diesen Beraubungswunsch - durch die Verbindung von Gesellschaft, Ökonomie und Geographie - in administrative Maßnahmen umsetzen zu können.

Bei den allgemeinen politischen Besiedlungsplänen der annektierten polnischen Gebiete kam es immer zu (zeittypischen) Konkurrenzen verschiedener staatlicher/ öffentlicher Organisationen (Deutsche Arbeitsfront, Wehrmacht, Reichsernährungsministerium, Reichsgruppe Industrie, etc.) die alle ihre eigenen Vorstellungen über die Verteilung der Kriegsbeute durchzusetzen suchten.

Konrad Meyers Aufgabe war nun die weitestgehende Koordination all dieser Vorstellungen in einem Raumplan, mit dessen Hilfe sein Vorgesetzter Himmler die politische Initiative übernehmen konnte.43

Die Funktion der Raumplanung bestand hier also in der Koordination der schon von den Einsatzgruppen begonnenen Vertreibung an sich und mit allgemeinen Strukturplänen; und sie übte eine zentrale Funktion aus.

6.3.2. Die polnische Stadt als Planungsraum, dargestellt an den Beispielen Posen und Lodz.

 "Die große Aufgabe der Neuordnung dieser Gebiete ist es, in beiden Gebietsteilen (sog. Warthegau und sog. Protektorat, M.B.), eine gesunde Verfassung der Landwirtschaft herzustellen und daneben zugleich (...) eine bodenständige, gesund verteilte gewerbliche Wirtschaft aufzubauen. Nur wenn der Osten selbst den Anteil an der gewerblichen Wirtschaft des Reiches erhält, der der Tragfähigkeit seiner landwirtschaftlichen und biologischen Grundlagen entspricht, kann sich seine Gesamtbevölkerung und damit seine ganze Lebenskraft und sein Lebensstandard dem Reichsdurchschnitt so weit annähern, daß es sich dem Reich wirklich eingliedert."44

Selbstverständlich wußten also auch die beteiligten Planer, daß ohne den Erhalt einiger städtischer Zentren samt Restindustrien ihre ökonomische Rechnung bei der Kolonisierung nicht aufgehen würde, weshalb sie diese Zentren sehr zügig als Planungsraum erfaßten.45

 "Bereits im Oktober 1939 wurde Willi Richert (aus Wien, wo er sich profilieren konnte, abgezogen  M.B.) nach Posen geschickt."46

Dort traf er sich am 24. Januar 1940 mit Konrad Meyer und einem Vertreter der SS zwecks Absprache des weiteren Vorgehens bei der "wirklichen Eingliederung".

 "Die Formulierungen des Protokolls entsprachen fast wörtlich dem, was die etwa gleichzeitig verfaßte Denkschrift (...) unter dem Titel 'Planungsgrundlagen für den Aufbau der Ostgebiete' (in der Einleitung dieser Arbeit zitiert  M.B.) verbreitete. Diese Planungsgrundlagen nannten die Städte nur am Rande als 'natürliche Marktmittelpunkte' (...) . Denn im Mittelpunkt der 'Neugestaltung der Ostgebiete' stand ohne Zweifel das 'Bauerntum'."47

Die Stadt Posen war allerdings auch als deutsches Verwaltungs- und Provinzregierungszentrum ausersehen und erhielt ihren Gesamtbebauungsplan von der neuen Abteilung Raumplanung und Städtebau schon am 3. Mai 1940. Vertreibung und Zeichenblattästhetik48  waren Kennzeichen dieses Plans.49  Zugeordnet wurde die eigens für die Städte gegründete Abteilung Raumplanung und Städtebau der Hauptabteilung für Planung und Boden (C33) beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums; den Vorsitz hatte seit Mai 1940 der Oberbaurat Josef Umlauf.

Der schrieb nach dem Krieg (schon wieder einer der wichtigsten Raumplaner in der BRD) die offizielle Institutionsgeschichte, verlor allerdings zwischen Kriegsende und Kapitulation sein Gedächtnis und kann sich an die Planungsgrundlagen seiner Arbeit leider nicht mehr erinnern.50

Sonst hätte er sich auch an die Planungen für Lodz erinnern müssen. Das damalige Lodz war eine junge Industriestadt, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus einer kleinen Niederlassung von Tuchmachern entstanden, gemeinsam aufgebaut von Polen, Juden und Deutschen und wurde im September 1939 von der Wehrmacht besetzt.

Nach einigen Auseinandersetzungen wurde auf Eindeutschung statt vollständiger Zerstörung entschieden und ein Generalbebauungsplan erstellt. Zuerst wurde am 29. Februar 1940 im nördlichen Stadtgebiet das erste jüdische Ghetto auf polnischem Boden errichtet und planmäßig mit den Umsiedlungen begonnen, die von SS und Bauverwaltung gemeinsam durchgeführt wurden und bei der zügig Erfolge zu vermelden waren.51  Hier erfährt also auch die antisemitische Gewalt eine erneute Radikalisierung und die Raumplaner waren daran beteiligt.

 "Darüber hinaus haben die Leistungen der deutschen Verwaltung schon jetzt das Gesicht der Innenstadt derart verändert, daß nicht mehr von einer polnischen Stadt gesprochen werden kann. Wesentlich für die Eindeutschung der Kernstadt ist der Ablauf der Wohnungsfrage. Da infolge der Kriegsverhältnisse an einen schnellen Neubau von Wohnungen im namhaften Umfang nicht gedacht werden kann, sind bereits im abgelaufenen Jahre über 8000 Wohnungen instandgesetzt und für deutsche Menschen nach deutschen Begriffen bewohnbar gemacht worden. Weitere 4000 Wohnungen gleicher Art sind in Arbeit und weitere 4500 Wohnungen sollen in der 2. Hälfte des Jahres 1941 der Umwandlung unterzogen werden, so daß rund 17000 neue deutsche Wohnungen im Kern bis Jahresablauf neu mit deutschen Menschen besetzt sind. In den neuen Geschoßwohnbaugebieten der Kernstadt finden 12 bis 14000 weitere Neubauwohnungen Platz, so daß über den bisherigen deutschen Wohnbesitz hinaus 30000 deutsche Wohnungen in Kürze im Kern vorhanden sind."52

In Lodz wurden, außer einer kleinen Siedlung zweigeschossiger Häuser für deutsche Beamte, der Siedlung Stockhof- Süd im Nordosten der Stadt, keine Neubauwohnungen errichtet; die "Baumaßnahmen" waren spezieller:

 "Im Zuge der vorgesehenen Sanierung und Auskernung der Innenstadt und der Verlegung der Industrie ist der erforderliche Grund und Boden seitens der Haupttreuhandstelle Ost und der Grundstücksgesellschaft der Stadt Litzmannstadt unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. (...) Grundsatz bei der Sanierung und dem Neuaufbau der Stadt muß eine großzügige Behandlung bei der Verteilung des angefallenen jüdischen und polnischen Vermögens sein. Bürokratische und rechnerische Einwendungen dürfen in keinem Fall dem geplanten Vorhaben hemmend im Wege stehen. Ich ersuche alle beteiligten Dienststellen, diesen Grundsätzen des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums voll und ganz gerecht zu werden."53

 "Die weiteren Planungen gingen davon aus, daß 300.000 Juden und 50.000 Polen ausgesiedelt werden sollten, um schließlich bei 300.000 polnischen Industriearbeitern auf insgesamt 700- 800.000 Einwohner für das zukünftige Lodz zu kommen."54

Und Lodz hatte noch "Glück"; für Warschau wurde die Vernichtung penibel genau geplant.55

 "Diese Planungskonzepte basierten auf Destruktion der bestehenden Gesellschaftsstrukturen. Die osteuropäische städtische Kultur sollte ausgelöscht (und nicht etwa inkorporiert, M.B.) werden."56

Die unverzichtbaren, auf komplementären Tausch angelegten Restindustrien und der Handel sollten und wurden ebenfalls in deutsche Hände überführt.57  Deutlich wird hier ein genereller Unterschied im Gewaltpotential zu beispielsweise den Zielen des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags.

Dieses Durch- und Nebeneinander verschiedenster Planungen ist nur ein scheinbares, denn dies alles wurde von dem Multimedium der Raumplanung, von Konrad Meyer (nach den Anweisungen Himmlers) koordiniert. Und dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums war es noch besser als der Vierjahresplanbehörde gelungen, die verschiedensten planerischen Ressourcen zu nutzen; so war es auch der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, der die "Eindeutschung" in allen besetzten Gebieten in der Planung koordinierte und durchzuführen versuchte.58

6.4. Sonstige Raumplanungsinstitutionen

Gleichzeitig vervielfältigten sich die Planungsinstanzen unterhalb der Ebene des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums und der Vierjahresplanbehörde auch unabhängig von den Umsiedlungsaktionen, mit der die verschiedensten Organisationen und Institutionen des NS- Regimes auf die Raumplanung Einfluß zu nehmen suchten:

Das Rüstungsministerium Speers baute eine eigene Raumplanungsabteilung unter Vorsitz des früheren Mitarbeiters der Vierjahresplanbehörde Hans Kehrl auf.

Konrad Meyer war mit seinen Aufgaben bei der Reicharbeitsgemeinschaft für Raumforschung und beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums offensichtlich noch nicht ausgelastet, und er war der gefragteste Planer im Nationalsozialismus. So wurde er in Personalunion Planungsbeauftragter für die Siedlungs- und Landesneuordnung beim:

- Reichsleiter für Agrarpolitik,

- Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft,

- Reichsbauernführer und Leiter des Siedlungsausschusses für die besetzten Ostgebiete.

Die Raumplanungen für die Wehrmacht (Kasernen, etc.) sind allseits bekannt und bezogen sich (überwiegend) auf das Reichsgebiet.59  Wenig erforscht hingegen ist die Raumplanung in der Wehrmacht: Das Oberkommando der Wehrmacht unterhielt einen sog. Bevollmächtigten für Siedlungsfragen, der eng mit der Vierjahresplanbehörde und dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums kooperierte. Diese Stelle hatte die Aufgabe, Siedlungen für Wehrmachtsangehörige zu planen und zudem ausscheidende Soldaten als Kolonisatoren zu gewinnen.

Das Reichskommissariat Ostland, das war die Okkupationsverwaltung für das besetzte Baltikum, unterhielt eine Abteilung für Raumordnung unter Vorsitz eines Dr. Werner Essen und erarbeitete Selektions ("Umvolkungs")- und Siedlungspläne:

 "Zuständig für diese Planungsarbeiten, die neben starken wirtschafts- und verkehrspolitischen Komponenten auch in großem Umfang die Rassen- und Siedlungspolitik zu berücksichtigen hatten, war die Abteilung II/ Raum in der Behörde des Reichskommissariats Ostland unter Leitung von Werner Essen mit Gottfried Müller als Sachbearbeiter. (...)

Bereits im Frühsommer 1942 legte die Abteilung den voluminösen 'Strukturbericht über das Ostland', bestehend aus den Teilen 'Ostland in Zahlen' und 'Ostland- Atlas', vor, der unter Mitwirkung einer Vielzahl von deutschen Behörden und landeseigenen Stellen entstanden war. (...)

Dieser Strukturbericht bildete die entscheidende statistische und kartographische Grundlage für die kurze Zeit darauf fertiggestellte 'Raumordnungsskizze' (...). Dabei ging es ihm vorrangig um die für diese Gebiete vorgesehene Form der Herrschaftsausübung (...) sowohl zu deren sicherer Unterwerfung als auch unter dem Aspekt wirtschaftlicher Rentabilität."60

Und gerade in der Person des Vorsitzenden Dr. Werner Essen wird die seit dem Überfall auf Polen gewachsene Verschmelzung von Vernichtungspolitik und Raumplanungspolitik noch einmal exemplarisch deutlich - er war gleichzeitig Judenreferent.61

Auch die Regierung des sog. Generalgouvernements bildete eine Abteilung Raumordnung, gestützt auf die Vorarbeit des Instituts für deutsche Ostarbeit als wichtige empirische Grundlage.62

Später wurde für den Distrikt Warschau eine eigene Raumplanungsabteilung (Leiter: Friedrich Gollert) gegründet, die wesentlich für das Elend im dortigen Ghetto verantwortlich war.63

Diese fast grotesk anmutende - und bis heute nicht vollständig recherchierte - Ausweitung der Planungsstellen deutet auf einen zunehmenden Bedarf. Es waren wohl die Raumplaner, die als einzige das nazistische Programm in administrative Maßnahmen umsetzen konnten. Und es war dann wieder Konrad Meyer, der all diese "Wünsche" in dem Generalplan Ost zusammenfaßte.

 "Durch seine vielfältigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder in unterschiedlichen Organisationen (...) hatte er all die Fäden in der Hand, die notwendig waren, um eine effektive Verbindung von Forschung (...) und deren Anwendung und Umsetzung im Rahmen der nationalsozialistischen Okkupationspolitik zu gewährleisten"64

6.5. Der Generalplan Ost

Schon mit dem Überfall auf die Sowjetunion und den darauffolgenden militärischen Erfolgen in der ersten Zeit wurden entsprechend der militärischen Lage auch die Planungshorizonte erweitert und radikalisiert.

 "Er (der erste Generalplan, M.B.) entstand in einer Atmosphäre der Hoffnung auf einen Erfolg des Blitzkrieges und berücksichtigte die Erfahrungen bei der Erstellung und Realisierung der Siedlungs- und Aussiedlungspläne in dem Teil Polens, der dem Reich angegliedert wurde."65

Federführend auch hier der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums und koordinierend eben Konrad Meyer.

Dieser legte am 15. 07. 1941 die erste - und nie gefundene - Fassung des Generalplan Ost vor, dessen Inhalt nur aus Stellungnahmen dazu zu erschließen ist, die die Annahme nahelegen, daß es sich bei diesem Plan um das fehlende Bindeglied zwischen zweckrationaler Planung und Vernichtungskrieg handelt.

 "Weitaus gravierender wirkt sich unsere Unkenntnis des (...) Generalplan Ost vom 15. Juli 1941 aus, den Konrad Meyers Institut (...) für das Stabshauptamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums erarbeitete. Solange er nicht aufgefunden oder überzeugend rekonstruiert ist, fehlt uns ein Schlüsseldokument zur Systematik der Beziehungen zwischen Vernichtung und Entwicklung in jenen entscheidenden Monaten, in denen die herrschenden Eliten des deutschen Faschismus die kontinentaleuropäische 'Weltgeltung' erobert zu haben glaubten.

Besonders entmutigend erscheint jedoch die den SS- Planern möglicherweise gelungene Beseitigung aller Exemplare des RSHA66 - Generalplan Ost vom Ende 1941/ Anfang 1942 sowie des darauffolgenden Gesamtplans Ost vom Frühsommer 1942, in denen offensichtlich die auf 20 bis 30 Jahre terminierte Genozidstrategie gegen die slawischen Völker Osteuropas mit der gerade begonnenen Massenvernichtung der europäischen Juden verknüpft war. Da die Programme (...) den Kern aller Debatten über den Zusammenhang von Rassismus und Wirtschaftsexpansion, von intellektueller Vernichtungs- und Planungseuphorie und nicht zuletzt von Tätern und Opfern berühren, sollte jeder nur erdenkliche Weg gegangen werden, um ihre Zielprojektionen dem Vergessen zu entreißen."67

Als Generalplan Ost ist also weniger ein einzelner Plan, als vielmehr die Verbindung fortlaufender Planungen68  zu betrachten, die nun auf höherer Ebene in direkter Zusammenarbeit und nach den Vorgaben des Rasse- und Siedlungshauptamtes.

Die beschriebenen Quellenunsicherheiten haben schon recht frühzeitig zu spekulativen Deutungen in der historischen Forschung geführt. Dies begann eigentlich schon mit Konrad Meyers Verteidigung vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal, vor dem er die Relevanz dieser Planungen bestritt, mit der Auflistung verschiedener Pläne das Gericht in die Irre führte,69  damit einen Freispruch in diesem Punkt erreichte und somit in der BRD ordentlicher Professor werden konnte.

Fortgesetzt wurde diese Linie 1958 durch Helmut Heiber, der die betreffenden Planungen als Hirngespinste darstellte.70

Seit etwa zehn Jahren ist wieder ein verstärktes Interesse an diesem Thema zu verzeichnen. Dieses hat leider auch zu äußerst spekulativen Deutungen insbesondere durch die Autoren Götz Aly und Susanne Heim71  geführt, die hier keine weitere Beachtung finden, da sie in Kap. 7 genauer besprochen werden. Diese AutorInnen bringen aber auch einen wichtigen Hinweis zur Bedeutung des Generalplans: Dafür wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die solches und noch viel mehr finanzierte, insgesamt eine Millionen Reichsmark ausgegeben. Zum Vergleich: Der KZ- Arzt Mengele erhielt zehn- bis zwanzigtausend Reichsmark für die von ihm geleiteteten Forschungen.72

Die Weiterbearbeitung dieser Planungen orientierte sich wieder an der militärischen Lage. Konrad Meyer legte am 28. Mai 1942 die nächste (erhaltene) Fassung des Generalplans73  dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums vor.

Neben der wirtschaftsgeographischen Empirie frappiert besonders die schon genau nach Achsen und Stützpunkten gegliederte Kolonisierungsplanung und die zudem enthaltenen Prognosen über den Fortgang der Massenvernichtung.74

Dazu gehörte auch die Vernichtung der großen Städte - insbesondere Leningrads - und die "Umsiedlung" von über 30 Millionen Menschen75  mit der klaren Perspektive des möglichst zügigen Hungertods.

Und gerade die auf Vernichtung zielende Belagerung Leningrads, statt ihrer Einnahme, ist ein mehr als deutliches Indiz dafür, daß dieser Plan wirklich ernstgemeint war und nur die Rote Armee seine Durchführung verhinderte.76



1 Redaktionelles Vorwort zum unten aufgeführten Artikel.
Heinrich Dörr: "Bomben brechen die 'Haufen'- Stadt. Stadtplanerische Betrachtungen über den Luftkrieg", in: Raumforschung und Raumordnung 5/1941, S. 269 - S. 273, S. 269. Anm.: Hervorhebungen M.B..
3 Vgl. Dieter Münk a.a.O., S. 435.
4 Vgl. Dieter Münk a.a.O., S. 414.
5 Vgl. Karl Heinz Roth: "Das Arbeitswissenschaftlich Institut der Deutschen Arbeitsfront und die Ostplanung", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien nationalsozialistischer Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 213 - S. 225, S. 222f.
Vgl. Dieter Münk a.a.O., S. 434.
7 Vgl. Heinrich Dörr a.a.O., S. 270f.
8 Hans Merkel: "Reichsnährstand und Raumordnung", in: Raumforschung und Raumordnung 1/ 1936, S. 12 - S. 15, S. 14.
9 Vgl. Elke Pahl- Weber: "Die Reichsstelle für Raumordnung und die Ostplanung", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 148-153. S. 148ff.
10 Ebd., S. 148.
11 Ebd., S. 152. Vgl. Konrad Meyer in seinem Eröffnungsvortrag in Raumforschung und Raumordnung, 1/ 1936, S. 3ff.:
12 "Diese Organisationsform der Forschung - von hoher Stelle aus geschaffen - ist (...) erstmalig und neu. Es ist der kühne Versuch, den nationalsozialistischen Gedanken der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit (...) auch in der Wissenschaft wirksam werden zu lassen."
13 Vgl. Hermann Göring in seiner Grußadresse in Raumforschung und Raumordnung 7/ 1938
14 Anm.: Diese Quelle ist gut zu finden in der Fachbereichsbibliothek Geographie sowie in der der Soziologie.
15 Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 156.
16 Vgl. Frank Glatzel a.a.O., S. 147f.
17 Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 337.
18 Vgl. Ebd., S. 340.
19 Vgl. Ebd.
20 Ebd., S. 350.
21 Leiter der Reichsarbeitsgemeinschaft: "Das kriegswichtige Forschungsprogramm der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung", in: Raumforschung und Raumordnung 10/ 1939, S. 502f.: "2. Untersuchung über die Möglichkeiten der Stärkung und Befestigung des deutschen Volkstums und der Bildung neuen deutschen Volksbodens im deutschen Ostraum. (...) Untersuchung über die Aufnahmen an deutscher Bevölkerung (...) auf landwirtschaftlicher Basis (...) Handwerk, Gewerbe und Industrie (...)."
22 Ebd.
23 Frank Glatzel a.a.O., S. 147f.
24 Ebd., S. 147f.
25 Carl Brinkmann: "Das Problem der agraren Überbevölkerung in Europa", in: Arbeitstagung des Forschungsdienstes Dresden, Sonderheft 18, 1943, S. 58, zitiert nach: Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 104.
26 Vgl. Hannah Arendt a.a.O., S. 344ff.
27 Vgl. Ekkehard Buchofer: "Polen: Raumstrukturen - Raumprobleme", Frankfurt a.M. 1981. Vgl. Rainer W. Fuhrmann: "Polen: Geschichte, Politik, Wirtschaft", Hannover 1990.
28 Anm.: Diese wurden zunehmend aus ihrem traditionellen Gewerbe durch Staatsmonopole herausgedrängt. Auch Polen war zu dieser Zeit ein eindeutig antisemitisches Land.
29 Vor allem Peter- Heinz Seraphim, ein Mitarbeiter Oberländers in: "Das Judentum im osteuropäischen Raum", Essen 1938.
30 Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher: "Der 'Generalplan Ost' und die 'Modernität' der Großraumordnung. Eine Einführung", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 7 - S. 11, S. 9.
31 Vgl. Michael Burleigh: "Die Stunde der Experten", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien nationalsozialistischer Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 346 - S. 350, S. 347.
32 Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 69ff.
33 Ebd., S. 109.
34 Ebd., S. 156f.
35 Ebd., S. 158.
36 Anm.: Über diese Vertreibungen gibt es in Polen viele Berichte; hierzulande sind sie nicht Gegenstand des öffentlichen Diskurses. Vgl. Czeslaw Madajczyk: "Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939 - 1945", Köln 1988.
37 Vgl. Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 147f. und 156f.
38 Vgl. Ebd., S. 129.
39 Ebd., S. 159.
40 Vgl. Ebd., S. 126.
41 Czeslaw Madajczyk: "Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939 - 1945", Köln 1988, S. 407.
42 Rolf Dieter Müller: "Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik", Frankfurt a.M. 1991, S. 15.
43 Vgl. Ebd., S. 89f.
44 Josef Umlauf: "Zur Stadtplanung in den neuen deutschen Ostgebieten", in: Raumforschung und Raumordnung 3/4//1941, S. 100 - S. 122, S. 101ff. Anm.: Dennoch darf man sich vom Ton des oben Zitierten nicht täuschen oder zu einer Diskursanalyse verleiten lassen. Im selben Artikel vom April 1941 entwickelt Josef Umlauf (weiter unten) ein thoretisch abstraktes Modell zur Stadtplanung. Er verficht ein modifiziertes Trabantenstadtmodell mit scharfer räumlicher Abgrenzung zur landwirtschaftlichen Umgebung, das von Kollegen heftig kritisiert wurde. Umlauf ergeht sich auf mehr als 20 Seiten über: "Die Idee der Stadt", "Stadtbild und Landschaft", "Grundlagen der Gestaltung aus dem inneren Aufbau", "Die Bauten der Gemeinschaft", "Das Wesen der Planung besteht darin, aus der Erkenntnis der Grundkräfte und Funktionen - ausgehend von einem allgemeinen Prinzip - die besondere Lösung in der Bedingtheit der Wirklichkeit zu finden." Die von den Raumplanern aufgestellten Theoreme dieser Zeit glänzen häufig durch Beliebigkeit; durchgesetzt wurde dann von allen gemeinsam die geplante Beraubung.
45 Anm.: Sie bezogen sich dabei ausdrücklich auf Walter Christallers Theorie der zentralen Orte. Vgl. Josef Umlauf a.a.O., S. 103. Vgl. Rolf Dieter Müller: "Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik", Frankfurt a.M. 1991, S.59 ff.
46 Niels Gutschow: "Stadtplanung im Warthegau 1939 - 1944", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien nationalsozialistischer Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 232 - 258, S. 232. Anm.: Formal war er noch der Gauleitung unterstellt.
47 Ebd., S. 233.
48 Vgl. Czeslaw Madajczyk a.a.O., S. 434. Anm.: Das Stadtbild sollte die Form einer Urne erhalten.
49 Vgl. Niels Gutschow a.a.O., S. 234f.
50 So Josef Umlauf gegenüber Niels Gutschow am 09. Juli. 1989, kurz vor Umlaufs Tod. Vgl. Niels Gutschow a.a.O., S. 257.
51 Vgl. Niels Gutschow a.a.O., S. 240.
52 Schreiben von Wilhelm Hallbauer an Walter Bangert, zwei Planer in Lodz, vom 01. 02. 1941. Zitiert nach: Niels Gutschow a.a.O., S. 241.
53 Erlaß des Reichsstatthalters im Warthegau btr. Umgestaltung und Neuaufbau der Stadt Litzmannstadt. Zitiert nach: Niels Gutschow a.a.O., S. 252.
54 Niels Gutschow a.a.O., S. 239.
55 Vgl. Ebd., S. 257.
56 Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher a.a.O., S. 10.
57 Vgl. Karl Heinz Roth: " 'Generalplan Ost' - 'Gesamtplan Ost'. Forschungsstand, Quellenprobleme, neue Ergebnisse", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 25 - S. 95, S. 53: "Daß die Wirtschaftsführer der Oststrategie der SS aus ureigensten Interessen sehr nahe standen wurde in jüngster Zeit (...) überzeugend nachgewiesen." Anm.: Roth weist später noch auf die Beteiligung vor allem Hamburger Kaufleute an den Plünderungen in Polen hin und zeigt "eine Art informeller Auftragsdelegation" (S. 53).
58 Vgl. Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 156ff.
59 Vgl. Wilhelm Stubbenrauch: "Raumordnung und Wehrmacht", in: Raumforschung und Raumordnung, 1/1937, S.11f.
60 Martin Seckendorf: "Die 'Raumordnungsskizze' für das Reichskommissariat Ostland vom November 1942 - Regionale Konkretisierung der Ostraumplanung", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 175 - S. 188, S. 176ff.
61 Anm.: Mündliche Auskunft von Prof. Dr. Buchhofer, Fachbereich Geographie, der zu diesem Thema selber recherchiert.
62 Vgl. Dr. (ohne Vorname) Schepers: "Raumordnung", in: Dr. Max Freiherr von Prel (HG): "Das Generalgouvernement", Würzburg 1942, S. 203 - S. 214, S. 208f.
63 Götz Aly/ Susanne Heim a.a.O., S. 425.
64 Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher a.a.O., S. 8.
65 Czeslaw Madajczyk: "Vom 'Generalplan Ost' zum Generalsiedlungsplan'", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 12 - S. 19, S. 13.
66 Anm.: RSHA ist die Abkürzung für Rasse- und Siedlungshauptamt.
67 Karl Heinz Roth: " 'Generalplan Ost' - 'Gesamtplan Ost'. Forschungsstand, Quellenprobleme, neue Ergebnisse", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 25 - S. 95, S. 25f.
68 Vgl. Czeslaw Madajczyk: "Vom 'Generalplan Ost' zum Generalsiedlungsplan'", in: Mechtild Rössler/ Sabine Schleiermacher (HG): "Der 'Generalplan Ost' - Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik", Berlin 1993, S. 12 - S. 19, S. 12: "'Generalplan Ost' ist jedoch keine eindeutige Bezeichnung. Sie erscheint zum ersten mal in den Dokumenten aus den Jahren 1940/41. Erarbeitet worden waren sie von dem Himmler unterstehenden Apparat (Hauptabteilung Planung und Boden, C33 M.B.), der die Planungsgrundlagen erstellte (...)."
69 Vgl. Ebd., S. 13.
70 Vgl. Helmut Heiber: "Dokumentation: Der Generalplan Ost", in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 3/ 1958, S. 281 - S. 325, S. 283ff.
71 Vgl. Götz Aly/ Susanne Heim: "Vordenker der Vernichtung - Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung", Frankfurt a.M. 1991/ 1993.
72 Ebd., S. 438.
73 Vgl. Hauptabteilung Planung und Boden beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums: "Generalplan Ost. Rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Grundlagen des Ostaufbaus" zitiert nach: Karl Heinz Roth a.a.O., S. 68f.
74 Vgl. Czeslaw Madajczyk a.a.O., S. 14f.
75 Vgl. Ebd., S. 13: "31 Millionen Menschen (...) wurden zu 'rassisch Unerwünschten' erklärt."
76 Vgl. Ebd., S. 14: "Das Interesse Himmlers an der Vorbereitung der endgültigen Fassung des 'Generalplans Ost' ging nach der Schlacht bei Stalingrad rasch zurück."