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1.3 Anmerkungen zur Sekundärliteratur

Auf das Heranziehen von Sekundärliteratur in der Betrachtung der Arendtschen Imperialismusanalyse haben wir nach Durchsicht derselben verzichtet, da alle uns bekannte allein an der oberflächlichen Funktionalisierung des Arendtschen Werkes für die politische Propaganda interessiert sind, wovon wir hier nur einige Beispiele anführen wollen:
Delbert Barley verfälscht in seiner "Einführung in ihr Werk" die Autorin in einer geradezu unerträglichen Weise.
Er will aus ihrem Werk die Frage herausgelesen haben: "Muss man sogar den Schluss ziehen, dass die Opfer an ihrer Ermordung mitschuldig seien und dass die Geschichte den Tätern mildernde Umstände zubilligen könnte?"
Für die Imperialismusanalyse der Autorin hat er gerade einmal ganze vier nutzlose, weil nichtssagende Seiten übrig.
Etwas, aber wirklich nur etwas eleganter entledigt sich Friedrich Georg Friedmann dieses Themas: "Den Niedergang des Nationalstaats sieht Arendt in engem Zusammenhang mit der Krise des Kapitalismus. Diese führt ihrerseits zum Imperialismus, der wiederum den Rassismus nährt," schreibt er auf Seite 54 und verschleiert damit, dass die kapitalistische Ökonomie den Nationalstaat alter Prägung gesprengt hat eben durch die imperiale Expansion und der Rassismus die bestimmende Ideologie eben dieser Plünderungen war (vgl. das Fazit aus "Die vorimperialistische Entwicklung des Rassismus"). Schon eine Seite weiter biegt er das Arendtsche Werk dann noch weiter:
"Arendt nennt zwei Gründe für die Entwicklung des europäischen Imperialismus, ... . Der eine ist psychologisch" (er meint die Abenteurer,d.A.) ..., und nennt als zweiten (!!!) Grund das anlagesuchende Kapital, um dann einfach zu behaupten, dass "der Rassismus somit ein Nebenprodukt des Imperialismus war."
Die Autorin auf die sich Friedmann hier bezieht, hatte im Gegensatz zu ihm immer klargestellt, dass die Veranlassung für den Imperialismus immer das expandierende Monopolkapital war und der Rassismus die zentrale Legitimationsideologie, die erst mit dem Imperialismus aus unbedeutenden Meinungen des 19. Jahrhundert entsteht. Desweiteren wurde von ihr die Entstehung des Mobs (Abfallprodukte verschiedener Klassen ) eben nicht psychologisch erklärt, sondern aus dem Wirtschaftsprozess selbst abgeleitet.
Eine schwache Darstellung der Imperialismusanalyse der Autorin liefert auch Wolfgang Heuer in seiner Biographie, allerdings beachtet er wenigstens die Analyse der Herrschaftsmethoden in den Kolonien. "In die Kolonialverwaltung wurden zwei neue Herrschaft- und Organisationstechniken eingeführt, der Rassebegriff für die innenpolitische Organisation der Völker und die geregelte Unterdrückung auf dem Verordnungswege, die wir Bürokratie nennen ... . Erst die Verbindung von Rassewahn und Bürokratie unter der Naziherrschaft verdeutlichte, welches Zerstörungspotential in beiden Elementen lag."  Hier spricht Heuer den eigentlichen Grund an, den die anderen Biographen dazu veranlasste dieses Thema zu meiden: Arendt zeigt den Nazismus als besonders aggressives, letztlich alles- also auch selbstzerstörerisches imperialistisches Konzept. Daher "...unterschied (sie) den Kolonialimperialismus von dem Imperialismus der europäischen Pan-Bewegungen"  ohne jedoch die gemeinsame Ursache zu unterschlagen.
Es ist auch W. Heuer, der die Ignoranz seiner Kollegen bei diesem Thema noch einmal auf den Punkt bringt, wenn er feststellt: "Ihr Buch wurde zwar zum Standartwerk, doch ihr eigentlicher Beitrag zur politischen Wissenschaft wurde durch den Missbrauch des Begriffs Totalitarismus als Kampfbegriff während des Kalten Krieges in den Hintergrund gedrängt."
Wir hoffen, dass nun einsichtig geworden, wie unsinnig eine weitere Heranziehung solcher Elaborate ist.
Weitere Sekundärliteratur gibt es noch zu der Autorin philosophischem Werk, die hier einsichtigerweise nichts zu suchen hat.