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5. Folgerungen für die Politikwissenschaft

Eines der wesentlichen Verbreitungsgebiete der APW im 19. + 20 Jh. war und ist das Gebiet der ehemaligen SU. Trotz einiger feudalistischer Elemente in ihrem europäischen Teil war die zaristische Herrschaft eine orientalische Despotie par exellence. Im wesentliche geprägt durch die tatarische Herrschaft von 880 - 1169 standen sich völlig isolierte autarke Dorfgemeinschaften, niedrige Produktivität, geringe Arbeitsteilung und die allgegenwärtige zaristische Bürokratie gegenüber. Während also bis zum "Verbot" dieser Diskussion durch Stalin aus der Theorie der APW Strategien für eine revolutionäre Politik in China abgeleitet werden sollte, wurden diese Erkenntnisse kaum auf die vorrevolutionäre Gesellschaft Russlands (und der Nachbarn) angewandt. Zwar beschreibt schon Lenins in "Die Entwicklung des Kapitalismus in Russland" die "aschiatina" genannte asiatische Erbschaft Russland, maß ihr aber (anders als Marx übrigens, siehe Briefe an Vera Sassulitsch) keine echte Bedeutung zu und wunderte sich 1921/1922, dass es den Revolutionären zwar gelungen war, die Handelsbourgeoisie und Großgrundbesitzer zu verjagen (siehe dynastischer Zyklus), nun aber an die Stelle der zaristischen jedoch nur eine neue , "ganz leicht mit Sowjetöl gesalbte Bürokratie" (Lenin) getreten war, ohne die das Riesenreich offensichtlich nicht zusammenzuhalten und keine Ökonomie zu gewährleisten war. Diese Kontinuität von Elementen der APW über die Oktoberrevolution hinaus wurde erst mit Rudolf Bahros Analyse ("Die Alternative", 1977, ab jetzt :Bahro) zum Thema politikwissenschaftlicher Untersuchung (von der dann viele abgeschrieben haben). Wenn Stalin mittels Zwangsaushebung von Arbeitskräften eine bürokratisch geleitet Industrialisierung durchsetzte, so bediente er sich als klassischer Despot eben jener Methoden, die schon zum Bau von Kanälen, Palästen und Verwaltungszentren (St. Petersburg) angewandt wurden. Dies veranlasst Bahro, einen Übergang von einer agrarischen zu einer industriellen Despotie zu diagnostizieren.

Die Theorien der APW sind also nicht nur zum Verständnis asiatischer Politik unabdingbar; ohne diese Theorien ist auch die Geschichte der Oktoberrevolution nicht zu verstehen.