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Weltbevölkerung und Bevölkerungspolitik

Die Grundannahme der modernen Bevölkerungspolitik (BP) geht noch immer auf den britischen Theologen Malthus (1766 - 1834) zurück: Die Armen haben ihre Armut durch ihr generatives Verhalten selbst verschuldet. Das jeweilige ökonomische System kann einen bestimmten Teil der Bevölkerung nicht mehr ernähren, eben weil es so erfolgreich war. Dieser Teil wird als Überbevölkerung definiert, deren Lebens- und Reproduktionswunsch als sozialschädlich diffamiert. Die BP ist also Krisenpolitik zur Stabilisierung bestehender ökonomischer Systeme, die der Metropolen dient der Sicherung ihrer imperialen Stellung. BP dient demnach zur Stabilisierung/Sicherung ökonomischer Herrschaft. Zu diesem Zweck werden mittels BP patriarchale Herrschaftsformen reproduziert. Die eigentliche Herrschaft über die Frauen erfolgt über Verfügung/Verfügbarkeit ihrer Reproduktionsarbeit und Fruchtbarkeit. BP ist also notwendigerweise antiemanzipatorisch; es geht also nicht einfach um die Reduzierung der Geburtenrate, wie die inländische BP zeigt. Eine Bevölkerungspolitik wird niemals "erfolgreich abgeschlossen" werden im Sinne ihrer Protagonisten, die von ihr betroffenen Frauen werden immer die "ewigen Sünderinnen" bleiben. Das bekannte Motiv soll verdeutlichen, dass es wenig Sinn hat auf bevölkerungspolitische Diskussionen einzugehen.

Spezielle Situation in Indien und China In den vormals orientalisch-despotischen Staaten muss die BP als Fortsetzung/Wiedergewinnung der staatlichen Kontrolle über die Familie verstanden werden im Sinne einer direkten Herrschaft. Dazu wird die aus der Despotie geerbte Staatsbürokratie verwendet. Beide Länder haben die größte Kontinuität von Zwangsmaßnahmen, unabhängig von der Zielsetzung (China). Vergleichbares hat es im Feudalismus in Europa gegeben: Zur Geburtenbegrenzung gab es das Eheverbot; zur Steigerung die Verfolgung von Hebammen.