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Der Preis der Arbeitskraft

Der Preis der Arbeitskraft wird seit 20 Jahren unter ihren Wert gedrückt, d.h. immer mehr Lohnabhängige können die Reproduktion ihrer Arbeitskraft nicht mehr durch ihren Lohn bestreiten. Zuerst wird das Kindergeld zentraler Bestandteil des Familieneinkommens. Die kulturellen Umbrüche der 60er/70er Jahre führten zu einem Absinken der Geburtenrate. Das Kapital sah keine Veranlassung, einem Single und einem "Familienvater" den gleichen Lohn zu zahlen.

Die eh strukturell instabile Kleinfamilie zerfällt auch im proletarischen Teil der Gesellschaft und auf den Fluren des Sozialamts drängeln sich die Alleinerziehenden. Der einst so stolze Patriarch wird Samenspender und in die Familienwohnung nicht einmal mehr eingelassen, versucht das auch nicht, da es ihm peinlich wäre, denn sein Einkommen ist nicht von Dauer und in der Höhe als Familieneinkommen unzureichend. Der Zusammenbruch der Geburtenrate zeigt die Unmöglichkeit einer halbwegs unproblematischen generativen Reproduktion an.

Gleichzeitig verschärft sich seit 20 Jahren die tagtägliche Auspressung. Produktivitätssteigerungen bei tendenziell sinkender Nettoinvestitionsrate - derartige Arbeitsverdichtungen sind wirklich nur bei hoher Massenarbeitslosigkeit durchsetzbar.   Die Folgen können bei einem Spaziergang durch eine x-beliebige Innenstadt beobachtet werden. Saßen da früher in den Parks nur einige Drop-Outs, so versammelt sich heute dort eine große Anzahl derjenigen, die dem Druck nicht mehr standgehalten haben. Die dazugehörigen Statistiken aus Wiesbaden verlassen die Druckmaschinen als Altpapier. Die tatsächliche extreme Verlängerung der Arbeitszeiten werden in ihnen schlicht nicht mehr erfasst, genau sowenig wie die Arbeitsverdichtung, die rechtliche Unsicherheit, die Angst vor dem Absturz und die tägliche Konkurrenz. Dies alles muss sich der Seelenklempner anhören, dessen Schild mittlerweile an jeder dritten Haustür prangt und dessen Dienste bei der nächsten Kürzungsrunde für bestimmte Klientel gestrichen werden soll. Warum auch soll man ei9nem Pizzaboten die gleiche Gesundheitsversorgung zuteil werden lassen, wie einem Chemiefacharbeiter, der eine teure, empfindliche Maschine sicher und gut geübt bedient.

Funktioniert schon die generative Reproduktion immer schlechter, fehlt vielen schon jeder Ausgleich, so sieht es im Bildungsbereich erst richtig düster aus. Kurzum, beim gesellschaftlichen Konsum, ebenfalls finanziert aus Lohneinkommen (was war das früher schwierig nachzuweisen) wurde der Preis unter ihren Wert gedrückt. Das ging sogar einigen Kapitalfraktionen zu weit, dass sie als Ergebnis ihrer eigenen Strategien nun 22% funktionale Analphabeten unter den 15-jährigen hatten. Der schleichende Übergang zu einem Privatschulsystem wird aber trotzdem fortgesetzt. Hier waren und  werden es die Grünen sein, die unter Aufbietung ihres fast schon vergessenen staatskritischen Vokabulars die Privatisierung der Bildung vorangetrieben haben und weiter vorantreiben werden.