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"Das Ende eines Jahrhundertmythos - Bilanz des Sozialismus"

Zu Michael Schneiders populärer Darstellung des Untergangs der Sowjetunion.
Was hat Karl Marx mit dem "real existierenden Sozialismus" und seinem Untergang zu tun ist die zentrale Frage dieses Buches und auch wohl die des Autors. Die modischen Erklärungsansätze werden dazu als erstes abgearbeitet:

1. Die "Irrlehre" des Realsozialismus sei eine Erfindung von Marx/ Engels gewesen, ist selber Ideologie. Er war praktisch wie theoretisch eine Antwort auf bestehende soziale Fragen am Ort. So muss auch das kanonisierte Denksystem des ML in seinem historischen Kontext, also in der realen Situation der UdSSR, gesehen werden. Wo dieses Denksystem eine Parteidiktatur rechtfertigte muss es als Herrschaftstheorie untersucht werden.

2. Mit dem kanonisierten Marxismus-Leninismus auch den analytischen Marxismus über Bord zu werfen, weil letzterer Begründer des ersteren sei, ist die Fortführung dieses Ansatzes unter anderem Vorzeichen, da eben diese Ideologie immer postulierte, dass die von ihr deklarierten Notwendigkeiten direkt aus der Analyse von Marx abgeleitet seien.

3. Die Parteidiktatur über totalitär verfasste Gesellschaften ist nicht von Marx abzuleiten. Das etatistische Gedankengut muss vielmehr der II. Internationale zugeschrieben werden.

4. Marx' Forderung nach einer Diktatur des Proletariates kann auch nicht zur Legitimation einer jahrzehntelangen Parteidiktatur herangezogen werden, da eben diese nur eine Parole in der Auseinandersetzung um das preußische Dreiklassenwahlrecht war (Die Feudalen nannten die Demokratie eine Diktatur des Pöbels.)

Warum glauben denn dann nur so viele, dass Marx der Ideologe des Realsozialismus gewesen sei?

Dazu untersucht der Autor im folgenden welche Anhaltspunkte für die Dogmatisierung, bzw. welche Leerstellen Einfallstore für die Kanonisierung zur bekannten Staatsideologie wurden.

Zu diesem Zweck übernimmt der Autor eine Unterscheidung von Stefan Breuer:

1. Den exoterischen Marx, den Künder der Revolution, Propagandist der Arbeiterbewegung, eben den Eschatologen des Frühwerks, dessen Aussagen über eine baldige Revolution. eher der damals allgemeinen Erwartung denn einer echten Analyse entsprachen.

2. den wissenschaftlichen Marx, der mit methodischer Radikalität im späteren Hauptwerk, vor allem im Kapital, eine immer noch verwertbare Analyse der bürgerlichen Gesellschaft und besonders ihrer brutalen Frühphase (Entstehung) geliefert hat. Auch hier war Marx Kind seiner Zeit, eben des szienistischen Zeitalters mit seinem simplen Rationalitätsideal. Er verabsolutierte soziologische Theoreme, wie z.B. das der sinkenden Profitrate und schlug so für sich und andere die Brücke zu seinem eschatologischen Frühwerk.

Demgegenüber gibt es mannigfaltige Beispiele für die erstaunliche Tatsache, dass viele Prognosen erst durch die heutige Entwicklung verifiziert werden: Konzentration, Verarmung, Verdinglichung aller Beziehungen, Warenfetischismus, Entfremdung.

Die Erlösungsutopie, man könnte auch Diesseits-Religion sagen, hat Marx von Hegel geerbt, indem er dessen Weltgeist die irdische Gestalt des Proletariates gab und selbigem eine geradezu messianische Rolle zuwies, die über die materialistische Erkenntnis, dass dringliches Interesse Veränderungswille schafft, hinausging.

Diese zugewiesene "messianische Rolle" ist, nach Schneider, Wunschtheorie chiliastischen Ursprungs, da aus dem dringlichen Interesse nicht folgt, dass eben dieses geschundenen Proletariat, dessen Existenzbedingungen Marx kannte, eine Gesellschaft der Freien und Gleichen aufzubauen imstande wäre. Um diesen Widerspruch zu verdecken, antizipierte Marx die Mechanik der Hegelschen Dialektik und kittete mit berechtigter Parteinahme. Daraus resultierte dann das historische Stufenmodell mit seiner Parallele zum christlichen Erlösungsgedanken.

Kritik: Diese angeblich mechanischen Vorstellungen von These, ihrem Gegenteil und ihrer Aufhebung entwickelte Marx anhand der Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit und sich selbst - der Erfinder der Maschine wird aufgrund der Eigentumsverhältnisse zu ihrem Anhängsel - und verallgemeinerte die gewonnene Erkenntnis auf DIE Gesellschaft.

Ein treffendes Beispiel sowohl für den Eschatologen als auch für den Analytiker findet der Autor im Kommunistischen Manifest, dessen Autoren behaupten, die Einsicht in den Gang der Geschichte allen voraus zu haben. Gleichzeitig ist in diesem Text die noch heute gültige Analyse zu finden: "Die Bourgeoisie schafft sich eine Welt nach ihrem Bilde. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie....." Wie viele vor ihm merkt der Autor an, dass diese Passagen wie geschaffen sind für die Beschreibung der Umbrüche in Osteuropa und nimmt dies zum Anlass Marx' Prognosen zu überprüfen.

Zutreffend: Warenfetischismus, Verdinglichung, Verarmung, Konzentration, Entfremdung.

Verwirft: Die Prognose einer radikalen internationalistischen Klasse "für sich", dies leider mit den üblichen modischen Begründungen: kulturelle Hegemonie der Bürgerlichen, neuer Produktionstyp usw. fügt dann allerdings hinzu, dass sich einige der Fehlprognosen am besten eben mit der Methode des Prognostikers erklären lassen.

Anschließend beschreibt der Autor den imperialen Aufbruch der noch national orientierten Monopole als erfolgreiche Abwehrstrategie zur Milderung der bedrohlichen Verwertungsprobleme des Kapitals und die daran anknüpfende Spaltung der Arbeiterklasse als politische Stabilisierung. Eben diese Klasse wurde durch gezielte sozialstaatliche Vergünstigungen und die Einbildung in Bereiche hoher Produktivität (besser entlohnt) dazu veranlasst sich korporatistisch zu verhalten mit der zweifelhaften Aussicht auf Beteiligung an der koloniale Beute.

Geschwächt wurde diese Arbeiterbewegung zudem durch die Einsetzende Taylorisierung, eine Militarisierung durch Verwissenschaftlichung, welche die Klasse ihrer letzten handwerklichen Fähigkeiten beraubte, sie also nochmals enteignete und das Heer der Produktionsunteroffiziere vergrößerte und die Hierarchisierung der Betriebe forcierte. Diese Abkoppelung der Arbeiter von allen intellektuellen Anforderungen des Arbeitsprozesses und Konzentration allen Wissens in der Hand von Kapitaltreuen steigerte die Produktivität und vernichtete letzte selbstbestimmte Räume der Proletarität.

Wie sicher schon bemerkt, ist der Autor, der in Marx' Schriften Anhaltspunkte für den späteren Dogmatismus seiner Nachbeter suchen wollte, dazu übergegangen, die Geschichte der Arbeiterbewegungen nachzuzeichnen.

Ansatzpunkte für eine spätere Dogmatisierung sieht der Autor also in dem eschatologischen Frühwerk von Marx, die Dogmatisierung, oder besser: deren Vorbereitung schreibt er aber der II. Internationalen, genauer: deren lassalleanischen Hauptströmung zu.

Zwar hätten die späteren Kommunisten:

1. Aus einer von Marx nie behaupteten Abfolge bestimmter Gesellschaftsformationen ein weltgeschichtliches Kalendarium gezimmert (wogegen Marx sich immer auf die Produktivkraftentwicklung bezogen hat) und daraus später Herrschaftstheorie entwickelt.

2. Das historische Subjekt sträflich vernachlässigt und später negiert (Widerspiegelungstheorie), dies sei aber bei Marx eine begründete Leerstelle, um idealistischen Interpretationen vorzubeugen. (Schneider: In historischen Umbruchsituationen gewinnen die Subjekte an Gewicht.)

Der eigentliche Ansatzpunkt für die Dogmatisierung sei aber der Einzug etatistischer Sozialismusvorstellungen in die Arbeiterbewegungen gewesen. Marx selber hat, außer allgemeinen Prinzipien, keinerlei Angaben über den Aufbau revolutionärer Übergangsgesellschaften gemacht, aber immer betont, dass das Staatseigentum an Produktionsmitteln keine Lösung sei und die aus einem solchen (Fehl)Versuch resultierenden Konsequenzen präzise vorhergesagt: Staatskapitalismus, Despotismus, Gesamtkapitalismus, Beamtenmentalität.

Die Mehrheit der II. Internationale sah demgegenüber im Staat den zentralen Hebel zur Umgestaltung der Verhältnisse. 

Kritik: Darin waren sie wahrscheinlich realistischer, sie wussten in etwa, wie viele hungrige Augen sie nach revolutionären Prozessen anschauen würden und konnten sich keinen anderen Weg vorstellen. Zudem entsteht im Streit um ein Staatsbudget eine für die bürgerliche Öffentlichkeit ungewöhnliche vollständige Öffentlichkeit in der gesellschaftliche Fragen diskutiert und mit materiellen Mitteln beantwortet werden können und so den Eindruck erweckt, Staat sei Gesellschaft und ein Instrument die Produktivkräfte zu steuern.

Durch diese Schule der II Internationalen sind fast alle russischen Revolutionäre gegangen und haben dort etatistische Vorstellungen kennen gelernt, deren Umsetzung allerdings der konkreten historischen Situation geschuldet ist.

"Wenn also der Fortschrittsdampfer mit der roten Fahne am Mast" überhaupt wegen seines falschen Kompasses Schiffbruch erlitten hat, dann nicht, weil dies ein genuin marxistischer war.

Nachtrag zum 1. Kapitel:
In diesem versteckt der Autor verschämt einen Abschnitt, der thematisch von den anderen abweicht und entwickelt darin einen interessanten Gedanken, der später noch einmal aufgegriffen wird. Zuerst wird ohne Umstand festgestellt, dass der "freie Markt und die imperiale Expansion der führenden Industrienationen zum Haupthindernis für die Industrialisierung ... der kolonialisierten Erdteile wurde", wo dann häufig versucht wurde, den Rückstand mittels Protektion aufzuholen, eine Methode die unzweifelhaft auch von allen später führenden Industrienationen angewandt wurde und ihr Vorbild in der britischen Industrialisierung hat (siehe Hobsbawm).

"Dasselbe Dilemma sollte sich im 20. Jh. in der asiatischen Zone wiederholen, die durch soziale oder 'proletarische' Revolutionen ihre Rückständigkeit zu überwinden und sich zugleich durch die Zentralisation der Produktionsmittel dagegen zu schützen suchten, zum kolonialen Hinterhof und Absatzmarkt für die entwickelten Industrienationen zu werden."

Das 2. Kapitel beschreibt die konkreten historischen Entstehungsprozesse der Staatsökonomien mit ihren Parteidiktaturen.

Schneider beginnt mit einem Reisebericht durch die südliche UdSSR und beschreibt darin die Rekonstruktion der alten orientalischen Despotie unter "sozialistischem Deckmantel" anhand der landwirtschaftlichen Produktion in Usbekistan und Tadschikistan und formuliert daran anknüpfend die zentrale Frage des Kapitels: "Wie war es möglich, dass der von Lenin begründete Sowjetstaat zur bloßen Hülle degenerierte, unter der sich eine modernisierte orientalische Despotie, ein neofeudaler Staatsmonopolismus verbarg?"

Auch hier klappert der Autor zuerst die modischen Argumentationsmuster ab:

1. Die Bolschewiki waren eben keine Putschisten, die mit dem so genannten "Oktoberputsch" die Februarrevolution zerstört hatten, sondern im Gegenteil ausführender Kopf notwendiger und längst eingeleiteter Veränderungen gewesen. An der Spitze dieser Veränderungen standen sie hauptsächlich durch das Versagen der Sozialrevolutionäre, insbesondere der Kerenski-Regierung in der Kriegsfrage.

2. Die Partei neuen Typs war nicht zu förderst die Vorwegnahme der Parteidiktatur, sondern ein Produkt der Rückständigkeit, ihr Zentralismus sollte den häufigen Aktionismus bändigen und das Fehlen einer revolutionären Intelligenz auf dem Lande ausgleichen.

3. Die Staats- und Parteidiktatur nicht nur ideologisch, sondern auch historisch- konkret von Stalin über Lenin auf Marx zurückzuführen ist bürgerliche Ideologie. Allein den Stalinismus als Fortsetzung des Leninismus darzustellen, verdeckt den Bruch neben den Kontinuitäten und ist, wie schon gesagt, negative Fortsetzung des kanonisierten Marxismus-Leninismus.

Lenin hatte (mit Trotzki) die zentralen Apparate aufgebaut, die Sowjets entmachtet und wie in Kronstadt auf Linie gebracht, aber eben dies alles in einer Bürgerkriegssituation, die enorme Opfer forderte, fast die gesamte revolutionäre Intelligenz in die Gräber beförderte - und eben nicht um der Apparate selbst willen. Stalin ikonisierte später diese Politik samt ihrem Protagonisten und unterdrückte Lenins sehr genaue Kritik daran. Marx kann, wie gezeigt, nicht zur Legitimation einer Staats- und Parteidiktatur herangezogen werden, war aber gleichzeitig Hauptbezugspunkt der russischen Revolutionäre, allerdings fast ausschließlich dessen eschatologisches Frühwerk, in dem Marx den Einblick in den Gang der Geschichte allen voraus zu haben behauptete. In eben diesem Frühwerk beschreibt Marx die Ablösung des Feudalismus durch den Kapitalismus in Westeuropa und prognostiziert eine proletarische Revolution in absehbarer Zeit.

Hauptthese von Michael Schneider:
Die russischen Revolutionäre, mit ihren etatistischen Sozialismusvorstellungen und ihrem Bezug zum Frühmarxismus, haben 1917 ihre revolutionäre Rechnung ohne den (halb)asiatischen Wirt gemacht.

Sie haben aus den angeführten Ablösungsprozessen in Westeuropa und Marx' früher Prognose ein weltgeschichtliches Kalendarium gezimmert und die russische Geschichte durch interessierte Uminterpretation diesem beigebogen.

Sie sahen in der Abschaffung der Leibeigenschaft 1861 (die nur eine halbe war) die Entstehung des russische Kapitalismus, dessen und seiner Protagonisten Schmalbrüstigkeit sie kannten. Wie Marx 1848 das für Deutschland vorgesehen hatte, so sollte auch in Russland das, was zur bürgerlichen Revolution noch fehlte, das Proletariat nachholen. Nur entsprach diese Sicht überhaupt nicht der realen Geschichte, deren ökonomischen Teil ironischer Weise ausgerechnet Marx später im Hauptwerk (Grundrisse) beschrieben hatte und die damals noch nicht bekannt war.

Nach dem Zerfall der sakralen Gemeinwesen bildeten sich 3 Produktionsweisen:
Die Antike, direkt die Feudale und die asiatische (oder hydraulische) Produktionsweise. Eigentümlichkeit letzterer war die Eigentumsform an Grund und Boden, es bildete sich eben kein feudales "Privat"eigentum. Mehrproduktaneignung und Staatssouveränität fallen zusammen. Völlig isolierte autarke Dorfgemeinschaften, niedrige Produktivität, geringe Arbeitsteilung stehen einer daraus resultierenden despotischen Staatsform gegenüber, die eben Grundeigentum und Souveränität vereinigt. Rente und Steuer, gesellschaftliches Mehrprodukt und gesellschaftliche Aufgaben, werden von ein und demselben Beamtenapparat organisiert, die den allgemeinen Staatssklaven gegenüberstanden. Durch die Herrschaft der Tartaren von 880 - 1169 wurde diese System auch in Russland das bestimmende, was auch den Bolschewiki bekannt war und von ihnen als "aschiatina", als asiatische Erbschaft bezeichnet wurde und dem keine Bedeutung beigemessen wurde, obwohl 1861 die Staatssklaverei nicht wirklich aufgehoben wurde. Die positive Seite des Privateigentums, eben die Entwicklung der Individualität, der Produktivkräfte und einer Kultur der Arbeit (was immer das sein mag, MB) war noch überhaupt nicht entwickelt. Daher konnte der Kapitalismus auch nicht im positiven Sinne überwunden werden, eine doppelte Negation des Privateigentums war nicht möglich, sondern nur deren schlechtes Abbild, eben die abstrakt totale Negation.

So entstand "die asiatische Variante des rohen Kommunismus", dadurch, dass sich im Bürgerkrieg (und später) die alte zaristische Bürokratie nun "ganz leicht in Sowjetöl gebadet" (Lenin) rekonstruieren konnte. Die Verwechslung von Etatismus und Sozialismus wurde zur doktrinäre Legitimationsideologie dieser Fehlentwicklung und sollte über das historische Dilemma hinwegtäuschen, dass die UdSSR dazu verdammt war, die ursprüngliche Akkumulation nachzuholen. Der Autor definiert den so entstandenen rohen Kommunismus der asiatischen Zone als eine Formation eigenen Typs, die allerdings genauso eine Entwicklungsfalle war wie ihre Vorgängerin und ebenfalls nur durch Außeneinfluss verändert werden konnte.

"Die Bolschewiki haben die russische Revolution nicht gemacht, sondern erkannt, dass um 12 die große anarchische Revolte losbrechen würde. Da haben sie 5 vor 12 den bolschewistische Aufstand proklamiert und so den Eindruck geschaffen, als sei das ungeheure Ereignis um 12 auf ihren Befehl hin entstanden." Arthur Rosenberg.

Nicht im revolutionären Oktober lag also die geschichtliche Fatalität, sondern:

1. im imperialistischen Krieg, der die revolutionäre Demokratie Russlands zerrissen und so den Weg zur Parteidiktatur vorgezeichnet hat.

2. im Druck des Bürgerkriegs, des weißen Interventionsheere, des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und des sich verschärfenden Stadt/ Land-Widerspruchs erfolgte Zusammenbruchs der Sowjetmacht und die sich daraufhin hinter sozialistischem Schleier neu formierende alte zaristische Bürokratie.

3. in der grundsätzlichen Verwechslung von Sozialismus mit Staatsmonopolismus, die die Bolschewiki von der II Internationalen geerbt hatten.

Fatal war

"- dass die Bolschewiki. der siegreichen Revolution post festum eine Deutung und einen Sinn gaben, den diese in einer sich zersetzenden halbasiatischen Gesellschaft (im Übergang) gar nicht haben konnte, und dass sie schließlich ihre Arbeiter- und Bauernrevolution mit aller Gewalt zu dem zu machen suchten, was diese, ihrem sozialökonomischen Inhalt nach, noch gar nicht sein konnte: nämlich eine den Kapitalismus überwindende sozialistische Revolution ..."

- dass die politische Isolation und Selbstisolation der Bolschewiki nach dem Oktober begleitet wurde von einer internationalen Isolierung, nachdem die Arbeiterrevolution im Westen ausgeblieben war.

Erst all diese Momente zusammengenommen haben die Entwicklung nach dem Oktober immer mehr eingeschnürt und den Boden für den 'Thermidor', für die bonarpartistische Diktatur Stalins und für die Wiederkehr des asiatischen Despotismus unter der roten Fahne vorbereitet.

War die Oktoberrevolution auch nicht die erste sozialistische, so doch zumindest die erste antiimperialistische Revolution.